News: Salar de Uyuni und Lagunenroute in Bolivien

Auf dem Weg nach Uyuni genießen wir noch die heißen Quellen, die es in dieser vulkanisch geprägten Landschaft überall gibt. Die Bäder sind sehr einfach. Man kann ein eigenes kleines Bad mieten. Ein Raum mit einer großen wannenartigen Vertiefung im Boden, wo heißes Wasser in einem kräftigen Schwall hineinläuft. Am Boden ist ein Loch, ein Lappen, der hereingestopft wird, verhindert, dass das Wasser wieder herausläuft. So ist binnen kurzem ein heißes Bad bereitet. Mit etwas Gewöhnung und abgenommener Brille kann man das Bad dann sehr genießen. Später ist die Nacht wieder kalt. Im Bus müssen wir uns ordentlich einkuscheln, dann wird es auch warm.


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Der Salar de Uyuni ist die größte Salzpfanne der Erde und ca. 72 Meter tief. Eine ca. 30 Meter dicke Salzkruste bildet die Oberfläche des Sees. Diese Kruste ist befahrbar, Routen gehen zu den Inseln des Sees und zu Ortschaften an seinem Ufer. In der Regenzeit ist die Kruste mit Wasser bedeckt. Zum Glück haben wir jetzt Trockenzeit, so dass keine Salzlauge den Wagen angreift. Bei gleißendem Sonnenschein verschwimmen die Konturen, Distanzen sind schwer einzuschätzen, man verliert sich im allgegenwärtigen Weiß.
Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Salar_de_Uyuni


Bei unserem ersten Trip auf dem Salar sehe ich, dass einer der vorderen Stoßdämpfer leckt, also besuchen wir noch eine Werkstatt in Uyuni. Wie immer muss improvisiert werden. Vorne haben wir jetzt Stoßdämpfer des Mitsubishi Delica. Auch Stephan und Kristin müssen mit ihrem Dodge in die Werkstatt. Besser jetzt als dann auf der Lagunenroute bei Minusgraden am Auto basteln.

Bei Uyuni, mitten in der Wüste, gibt es einen alten Eisenbahnfriedhof, hier rosten Dampfloks und Wagons vor sich hin. Ein toller Spielplatz für Erwachsene. Hier verbringen wir auch eine Nacht, bevor wir am nächsten Morgen wieder zum Salar fahren.

Das Ziel ist die Insel Incahuasi mit ihren bis zu 1200 Jahre alten Säulenkakteen. Hier verbringen wir den Abend und dann auch die Nacht. Es ist erstaunlich warm auf der Salzfläche. Wir erleben ein tolles Abendrot und später über uns einen grandiosen Sternenhimmel.
Abendrot auf dem Salar de Uyuni.

Abendrot auf dem Salar de Uyuni.


Am nächsten Tag verlassen wir den Salar und fahren zum Festland, um zur Lagunenroute zu gelangen. Ein letztes Mal können wir tanken. Dann verlassen wir die Straße und folgen der Piste nach Süden. Ich werde auf ein Poltern aufmerksam, stoppe und schaue mir die Stoßdämpfer genauer an. Die obere Aufhängung des linken vorderen Stoßdämpfers war lose, die Sicherungsmutter war bereits verloren. Sehr ärgerlich, haben wir doch dem Schlosser ein dickes Extrageld für die Sonntagsarbeit gegeben. Leider hat er nicht ordentlich gearbeitet. So ziehe ich die Mutter regelmäßig wieder nach und werde in San Pedro de Atacama in Chile dann eine neue Kontermutter besorgen.
Auf dem Weg kommen wir an der Einsiedelei von Primitivo Salvatore vorbei. Seine Lamas sahen wir schon von der Piste aus. Er lebt hier seit langer Zeit schon allein und begrüßt uns sehr freundlich. Nach einem Spaziergang schauen wir, was wir an Lebensmitteln entbehren können. Er freut sich über eine Tüte Allerlei und gibt uns seinen Segen für die weitere Fahrt.

Unser Weg wird immer sandiger und steiler, auf keinen Fall darf man hier stehenbleiben. Mit hoher Drehzahl geht es im zweiten Gang durch die schwierigen Stellen. Stoppen am Berg ist zu vermeiden, weil die Höhe ihren Tribut verlangt und der ohnehin schon schwache Motor deutlich an Leistung verliert. Aber es geht, wir kommen an unser Tagesziel und stellen die Autos ab. Zum Abendessen versammeln wir uns mit Kristin und Stephan in unserem Bus. Der Westfalia, so klein er sein mag, bietet Platz für vier, bei Essen, Tee und Bier freuen wir uns über den tollen Tag und sehen einer sehr kalten Nacht entgegen.
Am Morgen zeigt das Thermometer über unseren Köpfen im Bus Minus 3,9° Celsius an. Also wird auch das Wasser im Tank und der Leitung eingefroren sein. Das Wasser für den Morgenkaffee kommt aus einer Flasche und muss noch aufgetaut werden. Schwieriger ist es hingegen aufzustehen, um den Kaffee zuzubereiten. Es ist einfach sehr kalt. Zum Glück wärmt die Morgensonne das Auto schnell auf, so dass es bald etwas wärmer wird. Der Tag zeigt uns die grandiose Landschaft entlang der Lagunenroute. Wir kommen an einem weiteren Salar vorbei. Wüstenartige Ebenen, Vulkankegel, weite Landschaft und grandiose Felsformationen säumen unseren Weg. Gegen Nachmittag kommen wir an die Laguna Colorada. Der große flache See hat aufgrund seines hohen Mineralgehalts und einer Algenart eine rötliche Färbung. Er ist bekannt für seine Flamingos, die hier in eisiger Kälte auf über 4000 Metern Höhe leben. Leider bewahrheitet sich, was uns ein Taxifahrer bereits in La Paz erzählte: Viele der Flamingos liegen tot am Ufer, auch Eier und tote Jungtiere finden wir. Nur noch wenige Flamingos sind draußen auf dem See zu sehen. Die Lagune wurde durch Minenarbeiten in der Region verunreinigt, was für die Flamingos tödlich war. Wir sind traurig und etwas wütend. Einige Stunden zuvor haben wir noch ein hohes Eintrittsgeld gezahlt, um Zutritt zum Nationalpark „Eduardo Avaroa“ zu haben. Nun sehen wir, dass es nicht gelingt, die Tiere im Nationalpark zu schützen. Später lesen wir, dass 61 Minen innerhalb der Grenzen des Nationalparks betrieben werden. Bei einer ging dann wohl etwas daneben…

An der Lagune ist es sehr windig. Wir suchen nach einem Nachtplatz und finden in iOverlander eine Empfehlung für einen windgeschützten Canyon. Als wir dort ankommen, sehen wir schon die Fahrzeuge von unseren Freunden Paula & Konstantin, Fabienne & Christian aus der Schweiz und Una & Brad aus Canada. Wir freuen uns über das Wiedersehen. Sie haben Holz gesammelt und so gibt es ein wärmendes Feuerchen.

Nun sind wir 5 Fahrzeuge. Wir haben mit Abstand das schwächste, alle anderen sind gut motorisiert und drei von Ihnen haben ein 4×4 Fahrwerk, was für die Route dringend angeraten wird. Also kann uns nun fast nichts mehr passieren, unser kleiner Bus mit all den starken Freunden.
am Morgen auf dem Rastplatz

am Morgen auf dem Rastplatz


Und eine erste Prüfung für den Zusammenhalt sollte gleich am nächsten Tag kommen. Allerdings liegt das Problem bei Stephans Dodge. Sein linkes Vorderrad steht immer schräger, so dass wir das nicht mehr ignorieren können und das Rad abschrauben und schauen, was das Problem ist. Es stellt sich heraus, dass ein kapitales Problem an der Radaufhängung besteht, welches wir hier nur provisorisch beheben können. Alle fassen an und jeder bringt sich ein. Christian baut die Radaufhängung so gut wie es geht auseinander und wir schneiden aus einem alten Reifen, der in der Landschaft herumliegt, Dämpfergummis, die dann das Spiel in der Radaufhängung etwas ausgleichen sollen. Bis San Pedro de Atacama in Chile wird es gehen. So können wir nach ca. drei Stunden Arbeit weiterfahren und Stephan lenkt mit Bangen, aber doch sicher den weißen Dodge über die Pisten.

Wieder kommen wir durch weite Landschaft und passieren Wellblechpisten und müssen teilweise auch über die Ränder von Schneefeldern fahren. Immer wieder kommen starke Toyota-Jeeps mit Touristen vorbei. Sie fahren in mehrtätigen Touren zu den Lagunen und Geysiren der Region. Die Fahrer suchen sich unbefahrene Flächen und rasen mit einer enormen Geschwindigkeit durch die Landschaft. Wohl ist uns dabei nicht, wissen wir doch, dass es in der Vergangenheit teilweise schwere Unfälle gegeben hat. Wir pflegen mehr die Langsamkeit, es soll ja auch nicht so schnell vorbei sein.
Im Laufe des Tages bekommt Christian mit seinem Nissan Patrol noch Probleme. Der Motor läuft nicht mehr, er hat offensichtlich dreckigen Diesel getankt, der nun den Filter verstopft. Der Motor läuft mit geringer Leistung, heute müssen wir auf fast 5000 Meter klettern. Immer wieder bleibt Christian stehen, bis Stephan ihn an die „Leine“ nimmt und wir so das Tagesziel erreichen.
Screenshot vom Navi. Wir sind auf 4914 m

Screenshot vom Navi. Wir sind auf 4914 m


Den Abend verbringen wir bei der Laguna Chalviri, in die ein 38° heißes Thermalwasser mündet. Nach einer weiteren Reparatur an Stephans Dodge, nun auf der anderen Seite, genießen wir den Abend in einem Becken und sind nahezu wunschlos glücklich. Eine kalte Nacht folgt, die wir aber problemlos in unseren dicken, warmen Schlafsäcken überstehen.

Am Morgen des 20.05. steht die Sonne hoch am Himmel, als wir aus dem Bus steigen. Christian hat schon angefangen, sein Dieselfilterproblem zu bereinigen. Es gelingt. Als er fertig ist, gehen wir nochmal in das heiße Becken. Wer weiß, wann wir wieder so ein schönes heißes Bad bekommen. Bei der gemeinsamen Abfahrt merken wir, dass uns die Freunde eine Leine mit Bechern an die hintere Stoßstange gebunden haben. Eine schöne Überraschung zu unserem ersten 1. Hochzeitstag. Die Becher waren liebevoll bemalt und mit Wünschen versehen. Bei unserer Abfahrt staunen die anderen Touristen in ihren Jeeps nicht schlecht. Wir fahren stolz wie Bolle davon.

Auf der folgenden Strecke kommen wir an der Salvador-Dalí-Wüste vorbei. Eine weite Sandwüste, aus der Reste ehemaliger härterer Felsen sehr skurril aus dem Boden ragen. Man meint wirklich, ähnliche Motive aus seinen Werken zu kennen. Später kommen wir an die Laguna Verde. Sie liegt unterhalb des Vulkans Licancabur, der mit seinen 5920 Metern Höhe die Grenze zu Chile markiert. Später lese ich, dass man den Licancabur vom der Bolivianischen Seite besteigen kann, und dass in seiner Caldera besondere Organismen in dieser Höhe leben. Die Besteigung von der chilenischen Seite ist leider nicht zu empfehlen, da sie vermint ist! Gründe dafür weiß Wikipedia nicht zu berichten. Leider sind sich die Nachbarn in Südamerika auch nicht „grün“. In der Vergangenheit ist man öfters übereinander hergefallen.
Aber zurück zur Lagune Verde, sie wechselt je nach Windstärke und den dadurch aufgewirbelten Sedimenten die Farbe. Wir sehen sie in grün-blau. In der Lagune befinden sich auch Blei und Arsen, daher finden sich Flamingos nur an der angrenzenden Laguna Blanca.

Wenig später kommen wir an die bolivianische Grenzstation. Unsere Ausreise und die Ausfuhr der Fahrzeuge beim Zoll sind in wenigen Minuten erledigt. An den Grenzen Mittelamerikas dauerte dieses Prozedere gerne mal 3 bis 4 Stunden… Schnell sind wir an Grenzstation Chiles. Auch hier geht es fix, so dass wir bald von ca. 4850 Meter hinunter nach San Pedro de Atacama fahren, das auf 2450 Meter liegt, es geht steil bergab.

In San Pedro de Atacama besuchen wir an einem Abend das Valle de la Luna, es könnte wirklich auf dem Mond liegen. Aber wir genießen auch für ein paar Tage die Zivilisation, gehen essen, schauen uns das nette Adobe-Touristenstädtchen an, erledigen notwendige Dinge wie Reifen tauschen, Luftfilter reinigen usw.

Für eine gründliche Autowäsche – der Wagen hat noch eine Salzkruste vom Salar de Uyuni – und einige Besorgungen fahren wir durch die Atacama für einen Tag nach Calama. So ganz nebenbei geht es hier auch wieder über einen Pass von 3400 Metern.
Dann verabschieden wir uns voneinander, jeder folgt seinen Zielen. Bis wir uns hoffentlich irgendwo wiedertreffen.

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11 Responses to News: Salar de Uyuni und Lagunenroute in Bolivien

  1. Elke says:

    Alles Liebe zu deinem Geburtstag, liebe Windi!

  2. Claudia dos Reis says:

    Liebe Windy , lieber Gerd
    Mit Freude und Neugier haben Chris und ich stetig euren Block verfolgt. Danke euch für das Teilhaben können. Die Bilder aus Bolivien haben uns so dermaßen fasziniert, dass unsere nächste Reise garantiert zunächst dorthin gehen wird. Selbst Chris ist mittlerweile auf dem Südamerika Trip nachdem er mich eine Zeit in Mittelamerika begleitet hat. Ich bin nun schon seit 3 Wochen aus Kolumbien zurück und die Zeit auf Stahlratte war sehr cool⛵️…. Wir wünschen euch noch weiterhin viel Spaß und gute Fahrt.
    Liebe Grüße Chris und Claudia

    • GertWichitill says:

      Liebe Claudia, lieber Chris,
      ach, das freut uns sehr. Inszwischen sind wir in Brasilien und reisen von Florianopolis südwärts. Das Land ist toll, insbesondere auch die Brasilianer. Eigentlich war Brasilien nicht auf unserem Reiseplan. Wir sind sehr froh, dass wir doch noch den Abstecher gemacht haben. Unsere Begeisterung wirst Du ja gut nachempfinden können, liebe Claudia.

      Seid gedrückt. Wir sind ab August wieder in Berlin.

      Claudia & Gert

  3. Volker says:

    Von Florianopolis südwärts? ich hätte gedacht, daß ihr nach Norden müsst….
    Tolle Bilder und viele schöne Erlebnisse. Schön. 🙂
    Ich denke an Euch. Liebe Grüße.
    Volker

    • GertWichitill says:

      Ja, südwärts. Da wird es wieder kühler. Wir müssen nach Montevideo in Uruguay. Das legt der Bus am 22.07. auf „seinem Schiff“ ab und wir fliegen am 30.07. Etwas Zeit ist zum Glück noch. Sei gedrückt vom kleinen Bruder & Schwägerin!

  4. Doro says:

    Ich gratuliere auch ganz herzlich zum Geburtstag, Claudia!

    Ich denke immer an euch…

    Küsschen
    Doro

  5. Christian says:

    Toll, dass der Bus so durchgehalten hat ! Ich denke an unseren kleinen VW Golf, mit dem wir auf der chilenischen Seite ähnliche Sandpisten gefahren sind. Immer die Angst, stecken zu bleiben. In San Pedro dann eine angerissene Frontscheibe von einem entgegenkommenden Salzlaster, die nachts aufgrund der Temperaturunterschiede immer weiter aufriss … ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, wenn die Technik durchhält. Und unvergleichliche Bilder, wie von einer anderen Welt.
    Schön, dass ihr bald wieder da seid !
    ->cb

    • GertWichitill says:

      ….ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, wenn die Technik durchhält. Ja, so ist es. Dankbarkeit und ein Blick in eine andere Welt.
      Sei gedrückt.
      Claudia & Gert

  6. Bine Gohl says:

    Hallo aus der Hauptstadt, Ihr lieben Weltenbummler! Was bin ich erleichtert zu lesen, dass Euer Ganzjahr-Abenteuer so viele schöne Erlebnisse und atemberaubende Ausblicke beschert! Zumindest seit Mai, mehr zurück habe ich noch nicht geschafft. Ja, ich geb’s zu: an Euch gedacht, oft; aber Euch online zu folgen… Das leider habe ich nicht geschafft.
    WINDY: Sicherlich haben meine herzlichen telepathischen Glückwünsche Dich in Form des Schmetterlings erreicht, der im Juni auf Deinem Hütlein Platz genommen hat ;-)) ?!
    Nach-, nachträglich auch: EVVIVA zum ersten Hochzeitstag <3 , Ihr beiden!
    Seit gestern hüte ich das Heim: Michele segeln in Kroatien mit Männerrunde, Marlene in Gastfamilien in San Diego, Isabella und Riccardo auf handylosem Abenteuertrecking in British Columbia bzw. Alaska. Alles gedeichselt von Michele; ich hatte mit Bodenständigem auf dem Plan mehr als genug zu tun und freue mich, am 10.08. en famille nach Pesaro zu fliegen.
    Ihr Lieben, ich wünsche Euch einen bezaubernden Abschluss Eurer enormen Tour. Kommt gesund wieder in die "Alte Welt"!
    Mit dicker Umarmung: Eure Bine

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