News: Mexico – un zona de topes

Der Topes oder besser die Topes, sind eine der bedeutendsten Beiträge des modernen Mexico zum Weltkulturerbe. Sie sind fast gleichzusetzen mit dem Farbfernsehen, welches auch durch einen Mexikaner erfunden wurde. Wenn man als Tourist mit dem Auto in Mexico unterwegs ist, wird man dieses innovative Verkehrsteuerungsinstrument schnell kennenlernen. Gefühlt hat jeder Mexikaner schon mal einen Topes erbaut, bzw. besitzt einen solchen.

un zona de topes

un zona de topes


Der Topes ist auf den Straßen aller Kategorien anzutreffen. Oft wird er durch ein Schild angekündigt, oft aber auch nicht. Er ist bis ca. 20 cm hoch und mindestens 25 cm breit und lungert heimtückisch auf den Straßen des Landes herum. Wer hier nicht stark abbremst und im ersten Gang über den Topes rollt, bzw. hüpft, muss das Schlimmste für das Fahrwerk und den ehelichen Frieden befürchten. Gerne führt die zu schnelle oder auch unangekündigte Fahrt über einen Topes zu Verbrennungen ersten Grades, wenn der „Coffee to drive“ in den Ausschnitt der Beifahrerin spritz.
Neben der Entschleunigung des Durchgangsverkehrs und der massiven Umweltverschmutzung durch das ständige Anfahren und Abbremsen antiker Fahrzeuge mit enormen Rußwolken hat der Topes verschiedene wundersame ökonomische Vorteile.
Topes, die einen unnachgiebig zum Abbremsen bis auf Schrittgeschwindigkeit zwingen, findet man vornehmlich an Ortsdurchfahrten, an Ansammlungen von Verkaufsständen und „Cocinas Economicas“ entlang von Landstraßen, an Filialen der einzigen, weil staatlichen, Tankstellen des Landes und sonstigen Einzelhandelsverkaufsstätten, auch PoS genannt (Anmerkung: Es handelt sich hierbei nicht um Polytechnische Oberschulen).
Für die Polizei bieten die Topes die Möglichkeit, sich einträglicheren Methoden der Einkommensverbesserung zu widmen, als schlicht den Verkehr zu überwachen und die Einhaltung der mexikanischen Straßenverkehrsordnung durchzusetzen. Diese ist ohnehin eher als Empfehlungen zu betrachten, wie Baedeker erwähnt. Dafür sind die Topes unnachgiebig. Der Polizist kann, das böse Wort Korruption sei hier vermieden, sich anderen Dingen widmen.
Die Ersatzteil- und Autoreparaturindustrie ist zusammen mit der Straßenbauindustrie der wahre Nutznießer der Topes. Reifenwerkstätten und der „Taller Mechanico“ sind oft nicht weit entfern, man hilft gerne.
Aber die eigentliche volkswirtschaftlich relevante Dimension, in einem Land mit einer der ungerechtesten Einkommensverteilungen der Welt, ist den erfindungsreichen Mexikanern selbst zu verdanken. Wer erst durch die Konquistadores und dann durch die Partei der sogenannten „institutionalisierten Revolution“ (Auf diesen tollen Namen ist nicht mal Erich gekommen) jahrhundertelang ausgebeutet und betrogen wird, muss natürlich sehen, wie er seinen Teil vom Reichtum des Landes bekommt. Jeder Topes bietet immerhin die Möglichkeit ein intensives Verkaufsgespräch mit dem potenziellen Kunden zu beginnen. Nüsse, geschälte Apfelsinnen, geröstete Bananenstreifen, Chips und Spielzeug (alles regional, fairtrade und natürlich ökö) werden gerne an den Topes angeboten. Wer da als Autofahrer nicht zugreift muss eben bis zum nächsten Topes warten bzw. fahren. Gerne bittet auch die lokale Feuerwehr um Spenden oder der lokale Verein für die Qualifizierung junger Schwerverbrecher.
Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, die Fahrer der vorbeihüpfenden Fahrzeuge auf beiden Fahrbahnen in unterschiedlicher Richtung direkt und unmissverständlich um eine Spende zu bitten. Die überzeugendste Lösung dafür bot ein Rollstuhlfahrer, der, im Rollstuhl sitzend, klar seine Bedürftigkeit darstelle, und dabei auf jeden Straßenseite eine Art Suppenkehle hielt, in die der verstörte Reisende seinen Obolus legen durfte.
Etwas weniger feinfühlig waren diejenigen, die mit einer Leine die Durchfahrt sperren und mittels einer roten Flagge die Bedeutung ihres Ansinnens unterstrichen. An besonders schlechten Straßenabschnitten haben einzelne Wegelagerer ihre vermeintliche Führsorge für den Straßenzustand noch mit Schaufeln kaschiert, die jedoch wegen der Sammelbüchse in der anderen Hand keinerlei Funktion hatte.
Die höchsten Tageserträge dürften jedoch diejenigen haben, die zum Zwecke der besseren Sichtbarkeit, die, sonst eher fahrbahngrauen, Topes mit Farbe markierten und natürlich ihren gerechten Lohn von den Autofahrern einforderten.
Aber auch hier ist die Konkurrenz groß, denn ein Topes kommt selten allein in Mexico.

Übrigens, das Hinweisschild „Un zona de topes“ gibt es in Mexico wirklich. Hier muss man Kleingeld bereitlegen, runterschalten und sich in Geduld üben.

P.S. Neulich ist uns doch hinten links die Feder des Busses gebrochen. Ob das wohl auch an den Topes gelegen hat? Die Reparatur hat etwas gedauert, weil es solche Federn hier nicht gibt. Aber uns konnte geholfen werden. Gute Schlosser-bzw. Schmiedekunst in Merida haben das Malheur beseitigt…

Hier ein Bilder:

Kaputter Topes

Kaputter Topes


Riesentopes

Riesentopes


Kaputter Topes 2

Kaputter Topes 2


Böser Topes

Böser Topes


Getarnter Topes

Getarnter Topes

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3 Responses to News: Mexico – un zona de topes

  1. rossi says:

    Toppe sonst Kloppe im Topelandia….

  2. Christian says:

    Lieber Gert, sehr interessant zu lesen und ein Glück, dass es nur die Feder ist… Wir sind ja im Oktober in Chile unterwegs gewesen, mit einem VW Polo und können Euch jetzt genau sagen, wo man damit langfahren kann und wo nicht. Euch erwartet dafür so eine tolle Natur, es gibt heiße Quellen in denen man baden kann etc.

    • GertWichitill says:

      Lieber Christian, zu Chile sollten wir uns dann im Aril/Mai 2016 austauschen. Wir folgen gerne euren Spuren um das Schlimmste zu vermeiden. Aber vorerst sind wir noch auf Yucatan und bald in Belize. Aber dann auch bald bei heißen Quellen…

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