News: In Lima – Wer die Wahl hat, hat die Qual

So ungefähr ging es uns, als wir überlegten, was wir an unserem Wochenende in Lima sehen und tun möchten. Die Stadt ist sehr groß, hat viele unterschiedliche Stadtteile und über 8,8 Mio Einwohner. Da muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren. So sind wir am Samstag ins historische Zentrum der Stadt gefahren und haben viele schöne Entdeckungen gemacht – die Stadt überrascht. Beim Schlendern in der Nähe des Regierungspalastes, an der Plaza de Armas, sind wir auf das „House of Peruvian Gastronomy“ gestoßen und waren begeistert. Das Museum, im ehemaligen Hauptpostamt, stellt die verschiedenen Küchen des Landes vor, die landwirtschaftlichen Produkte und auch die Einflüsse aus dem Ausland. Die Vielfalt ist groß, da das Land sehr vielfältig ist und vom Amazonasgebiet bis zur Pazifikküste sehr unterschiedliche Kulturen bestehen. Wir sahen all die Gerichte, die wir noch kosten müssen.


Klar, das machte Appetit. Und nicht ganz zufällig befand sich gleich in der Nähe das Festival der Peruanischen Küche unter offenem Himmel. Hier haben wir uns umgesehen und Claudia, unsere Testerin, hat sich für Meerschweinchen (alle Vegetarier, Veganer usw. lesen jetzt bitte weg) entschieden. Sie meinte, dass es zwar etwas gummiartig und nach Geflügel schmecke, aber insgesamt doch recht gut. Dazu gab es Chicha Morada, ein nichtalkoholisches Getränk aus blauem Mais, welches wie leicht angegorener Traubensaft schmeckt und aussieht. Zum Nachtisch gab es verschiedene eingelegte Früchte und einen Suspiro de Limeña. Hiermit war unsere Testerin sehr zufrieden. Das Museum und so ein Festival haben wir uns gleich für Berlin und die deutsche Küche vorgestellt…

Beim weiteren Schlendern fiel uns ein anderes Gebäude auf, welches der Bahnhof sein musste. Beim Näherkommen stellte sich heraus, dass es das Literaturmuseum Limas ist. Eine gelungene Nachnutzung in einem schönen Kolonialgebäude. Draußen auf dem Bahnsteig hat man ein kleines Lesecafé und eine kleine Bibliothek eingerichtet. Dazu gibt es verschiedene Ausstellungen.

Lima war die Hauptstadt des Spanischen Vizekönigreichs Peru, zu dem halb Südamerika mit den heutigen Staaten Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Bolivien, Chile, Argentinien und Paraguay gehörte. Der Reichtum dieser Länder ist in Lima zu bewundern.

Allerdings haben nicht alle Bewohner der Stadt die Wahl, sondern eher die Qual. Bei unserer Einfahrt in Lima am Freitagabend, die Claudia bravourös meisterte, kamen wir durch kilometerlange Slumgebiete, die die Stadt umgeben. Durch die Landflucht suchen viele Peruaner ihr Glück in der glitzernden Hauptstadt und überragenden Metropole, jedoch gelingt es den wenigsten, hier das Glück zu finden. Die Masse siedelt in den Slums in der Wüste, die Lima umgibt. Diese „junge Dörfer“ genannten Siedlungen, in denen heute etwa zwei Drittel der Bevölkerung Limas leben, bekommen dann nach und nach etwas Infrastruktur, so dass wir in der nächtlichen Wüste eine überdimensionierte Straßenbeleuchtung über einem sehr tristen „jungen Dorf“ sehen, welches wahrscheinlich via Lastwagen mit Wasser versorgt wird. In der Innenstadt oder in noblen Stadtteilen wie Miraflores sind diese Welten weit entfernt. Das ist ein recht gutes Spiegelbild für Peru, welches sehr arme, aber auch prosperierende Regionen hat.

Schon seit wir das Land betreten haben, ist uns die viele Wahlwerbung aufgefallen. Am heutigen Sonntag war die Wahl und wir waren mitten drin. Schon gestern teilte uns der Wirt einer Bar mit, dass er bis Montag keinen Alkohol ausschenken dürfe. Die starke Polizeipräsenz und viele Diskussionen auf den Plätzen der Stadt zeugten auch von der aufgeheizten Stimmung.
Gerade haben wir gelesen, dass die konservative Politikerin Keiko Fujimori die meisten Stimmen errungen hat. Allerdings ist eine Stichwahl im Juni fällig. Interessant dabei ist, dass Keiko die Tochter des 77-jährige Alberto Fujimori ist. Er hat das Land in den Jahren 1990 bis 2000 mit harter Hand regiert. Seit 2009 verbüßt er wegen Korruption und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eine 25-jährige Haftstrafe. Dennoch vertrauen die Peruaner offensichtlich seiner Tochter.
In Peru gibt es kein Wahlrecht, sondern eine Wahlpflicht. Wer nicht zur Wahl geht, kann mit einem Strafgeld belegt werden. Der Peruaner hat dann aber doch noch die Wahl zwischen einer Stimme für die Kandidaten oder der Abgabe einer ungültigen Stimme…

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2 Responses to News: In Lima – Wer die Wahl hat, hat die Qual

  1. Sven says:

    Liebe Claudia,

    seit deiner Email aus der Casa Helbling habe ich eure Route intensiver verfolgt, da meine Frau und ich den Abschnitt der Panamerikana von Quito bis Lima vor exakt 20 Jahren mit dem Fahrrad abgefahren sind. Mit vielen Fotos, die Ihr in den Blog stellt, verbinde ich Erlebnisse von damals und komme wieder ins träumen. In Lima endete unsere Reise, weil wir dort von einem deutschen Artzt von unserem Familienglück erfahren und unsere Pläne geändert hatten. Bis heute denken wir darüber nach, unsere Reise eines Tages fortzusetzen, wenn unsere Kinder groß genug sind. Bei mehreren Kurzurlauben in Ecuador in den vergangenen Jahren habe ich allerdings festgestellt, dass der Straßenverkehr extrem zugenommen hat und in Ecuador die Panamerikana inzwischen mehrspurig und vollständig asphaltiert ist. Damals war sie in weiten Teilen in jeder Richtung nur einspurig und geschottert, sodass der Verkehr nicht so gefährlich war wie heute. Falls wir unsere Reise von damals tatsächlich irgendwann fortsetzen, dann wohl eher so wie ihr mit einem VW-Bus anstatt mit dem Fahrrad. Aus diesem Grund werde ich eure Reise jetzt noch genauer verfolgen!

    Viele Grüße aus Berlin von deinem Kollegen Sven

  2. Gerti B. says:

    Hallo ihr Lieben, haben die Meerschweinchen geschmeckt? Karola ist gerade bei mir, wir waren frühstücken – ohne Meerschweinchen – bei IKEA. Habe uns die Bilder angesehen und sind begeistert. Gestern waren Jakob und Stefano bei mir (Karo) und wir haben auch Bilder aus Peru bewundert. Sonst geht es uns allen gut und wir freuen uns auf den Sommer ,
    wenn wir euch wieder sehen. Grüße aus Berlin-Tempelhof Karola und Traudel

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