News: Ich sehe was, was Du nicht siehst – unsere Reise in das Amazonasgebiet Perus

Bisher hat uns Peru sehr gut gefallen. Aber doch haben wir einen großen Teil des Landes nicht gesehen: Das Amazonasgebiet. Der Amazonas fließt in Peru bei Iquitos und bildet sich aus seinen beiden Quellflüssen, dem Rio Marañón und dem Rio Ucayali. Wir besuchen weiter südlich das Amazonasgebiet im Manú Nationalpark.
Der Manú Nationalpark erstreckt sich von fast 4000 Meter Höhe bis auf wenige Hundert Meter Höhe und beinhaltet somit verschiedene Ökosysteme wie den Regenwald, den Nebelwald und das Hochgebirge. Diese verschiedenen Landschaften, ihre Pflanzen und Tiere wollen wir in den folgenden sieben Tagen erkunden.


https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Man%C3%BA

In der Kernzone des Parks leben noch Indianer als nicht sesshafte Jäger, Sammler und Ackerbauern, die keinen oder wenig Kontakt zur Außenwelt pflegen. Gästen und Einheimischen ist dieser Kontakt auch streng verboten, da durch die Übertragung von Bakterien und Viren eine große Gefahr für die Indianer besteht. Vor einigen Jahren kam eine bisher unbekannte Gruppe (sogenannte „naked people“) an die Grenzen des Parks zum Rio Madre de Dios und wollte diesen überschreiten, was ihnen jedoch wegen des hohen Wasserstandes nicht gelang (über Boote verfügen sie nicht).
All das und sehr viel mehr erzählt uns unser Führer bei der langen Busfahrt von Cusco nach Pillcopata, wo wir die erste Nacht verbringen. Auf dem Weg hierher machen wir eine Pause in Paucartambo und besuchen das örtliche Museum. Sehr beeindruckend waren hier die Figuren zum jährlichen Fest der Heiligen Jungfrau Carmen.


Gemeinsam mit Alex und seiner Freundin aus San Diego ging es am nächsten Morgen auf ein Boot auf dem Rio Madre de Dios. Er fließt weiter nach Bolivien und mündet in Brasilien in den Madeira, der dann östlich von Manaus in den Amazonas mündet.
Der Rio Madre de Dios ist ein wilder Tieflandfluss, dem man die Herkunft aus dem nahen Gebirge noch sehr genau ansieht. Riesige Schotter- und Kiesbänke lagern an seinen Ufern, gewaltige Treibholzinseln befinden sich in seinem Lauf, entlang des Ufers türmen sich kleine Treibholzberge. Regnet es im Gebirge, steigt sein Pegel in wenigen Stunden an, so dass an den Siedlungen die Ein- und Ausstiege verschiedene Niveaus haben. Es gibt jedoch kaum Siedlungen am Ufer, so dass wir immer wieder Tiere wie Capybara (Wasserschweine) oder Kaimane am Ufer sehen.
Vom Boot aus erkennt man auch sehr gut, wie der Fluss ständig Ufer unterschneidet und die dünne Humusschicht des Urwaldes freilegt. Die abgestürzten Bäume treiben dann den Fluss hinunter. In weiten Schlingen zieht er durchs Land. Nach einer Laufverlegung braucht es nur wenige Wochen, bis sich im ehemaligen Flussbett neue Vegetation bildet.

Nach einer ganztätigen Bootsfahrt biegen wir in den Rio Manú ab. Hier dürfen sich nur wenige Touristen mit zertifizierten Agenturen aufhalten, eine Registrierung in der Rangerstation ist Pflicht. Danach erreichen wir unser Camp im Regenwald. Es bietet glücklicherweise mehr Komfort als gedacht. In Zelthäusern sind Betten mit den notwendigen Moskitonetzen aufgestellt. Es gibt kalte Duschen und Toiletten. Wir machen uns fertig für einen Nachtspaziergang. Zum Glück sind die Moskitos keine allzu große Plage, weil es in der letzten Zeit wenig geregnet hat. Beim nächtlichen Spaziergang ist der Sound des Urwaldes beeindruckend. Wir sehen nichts, hören jedoch die verschiedensten Laute – bisweilen unheimlich und furchteinflößend, mitunter auch zart und leise. Unser Führer zeigt uns im Schein der Taschenlampe immer wieder Tiere, die wir selber nie entdecken bzw. erkennen würden. Schlangen verschwinden im Unterholz, Spinnen sitzen in ihren Netzen, farbige Frösche hocken auf feuchten Blättern und ein blattbrauner Frosch hat eine so perfekte Camouflage, dass er nur mit Mühe von dem Blatt, auf dem er sitzt, zu unterscheiden ist.

Zurück im Camp verzichten wir heute alle auf das Abendessen, allerdings aus unterschiedlichen Gründen: Mir geht es nicht gut, ich habe Durchfall und möchte schnell ins Bett. Claudia und die anderen hingegen nehmen an einer Ayahuasca-Zeremonie teil, für die ein einheimischer Schamane extra zu uns ins Camp gekommen ist. Es heißt, man sollte vor der Zunahme dieses speziellen Pflanzensaftes möglichst nüchtern sein, dann sei seine halluzinogene Wirkung umso größer.
Was dort in der Dunkelheit beim Klang eines eigenartigen Saiteninstrumentes und dem leiernden Gesang des Schamanen in den nächtlichen Stunden vor sich ging, entzieht sich meiner Kenntnis…

Der Manú Nationalpark ist für seine Giant Otter bekannt. Wir bekommen sie am nächsten Tag in einem Oxbow Lake (Altwasser) zu sehen. Eine ganze Familie macht einen Ausflug, den wir von einem Boot aus beobachten können. Dazwischen sehen wir immer wieder verschiedene Vögel wie Hoatzins, Kingfischer, Aras oder Motmots.


Es gibt verschiedene Affenarten in der Region. In großer Höhe turnen sie in den Ästen herum und schwingen elegant von Zweig zu Zweig.

Eine besondere Attraktion sind die Lehmlecken entlang eines ehemaligen Flussufers. Hier nehmen die Tiere aus dem Lehm verdauungsfördernde Mineralien auf. Damit entgiften sie Schadstoffe aus der Nahrung. Leider haben wir etwas Pech, da es in dieser Nacht heftig geregnet hat, so dass am Morgen nur wenige Aras zur Lehmlecke kommen. Viele Stunden sitzen wir erwartungsvoll in der Beobachtungsstation, bis sich endlich eine kleine Gruppe dieser wunderschönen Vögel in den Bäumen niederlässt.

Auf der Weiterfahrt machen wir einen Stopp bei einer heißen Quelle und nehmen ein wohltuendes Bad im leicht schwefelhaltigen Wasser. Auch die „Moglis“, wie wir den Bootsmann und seinen Gehilfen nennen, sowie unser Führer und der Koch genießen die entspannende Wirkung, zumal uns allen im Boot ziemlich kalt geworden war.

An unserem letzten Tag besuchen wir eine Station für aufgefundene, verletzte bzw. konfiszierte Tiere. Neben einem Tapir sehen wir verschiedene Affen, ein Faultier, Wildschweine und wunderschöne Aras. Es ist eher ein Streichelzoo, den Claudia sehr genießt.

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