News: Herbst, Frühling, Winter, Herbst und Winter

Bei uns ist in den letzten Wochen viel passiert. Wir haben einige der Höhepunkte unserer Reise erlebt. Wie die Überschrift schon sagt, war es auch wettermäßig sehr abwechslungsreich, mit einer Tendenz zur Kälte. Da freuen uns eure Sommernachrichten aus Deutschland sehr. Gerade sitzen wir in Daunen gekleidet in der Wintersonne der Argentinischen Anden, nahe des Aconcaguas (6960 m üNN). Da der Pass nach Chile gesperrt ist, können wir den höchsten Berg der südlichen Hemisphäre jedoch nicht besuchen oder zu ihm aufschauen.
Wo fange ich an? In Cusco: Der Nabel der Inkawelt. Die Stadt ist schön und bietet so manche Parallelen zu Rom, was ja auch der Nabel des römischen Imperiums war. Nur bei den Inka dauerte es nicht allzu lange, dann haben die Spanier vieles in Schutt und Asche gelegt und ihre eigenen Kathedralen auf den Trümmern aufgebaut. Das kann man in Cusco besichtigen. In der ganzen Region findet man viele Spuren der Inka, so wie in Macchu Pichu. In Cusco war es bereits kühl und feucht.

Von Cusco aus sind wir nach Süden in Richtung des Titicacasees gefahren. Also hoch auf das Altiplano, welches in seinen Ausläufern bis zum nördlichen Argentinien reicht. Das Altiplano ist zwischen 3700 und 4200 Meter hoch. Auf diesen Höhen und höher haben wir uns in den letzten Wochen herumgetrieben.
Link zum Altiplano: https://de.wikipedia.org/wiki/Altiplano

Wir waren am Titicacasee und haben einige Inseln auf dem See besucht. Einmal waren wir bei Puno auf der peruanischen Seite und haben dort die Inseln Amantani und Taquille besucht. Auf dem Weg kamen wir auch an den schwimmenden Inseln der Uros vorbei und konnten sehen, wie die Menschen dort heute noch leben. Tauschen mochten wir nicht. Es ist ziemlich kalt dort oben. Zum Glück scheint am Tag fast immer die Sonne.

Der See ist riesig. An seinen Ufern sind auf der Ostseite hohe schneebedeckte Berge, Lamas weiden auf den Wiesen, trotz der Höhe werden Kartoffeln, Quinoa (Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Quinoa) und anderes angebaut. Es ist sehr mühsam, dort oben zu leben und zu arbeiten. Uns machte die Höhe immer wieder zu schaffen. Selbst bei leichter Anstrengung kommen wir schnell außer Puste.
Auf der südlichen, bolivianischen Seite des Sees liegt die berühmte Stadt Copacabana…, wirklich. Das Copacabana bei Rio ist wohl nur der gleichnamige Strand. Hier ist es ein Städtchen, das von den Touristen lebt. Von dort haben wir die Isla del Sol besucht. Dem Gründungsmythos der Inkas nach soll der Sonnengott Inti seine beiden Kinder von dieser Insel losgeschickt haben, um die Hauptstadt des Inkareiches zu gründen, die dann Cusco genannt wurde. Mehr dazu findet ihr hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mythologie_der_Inka
Wir haben eine schöne Wanderung auf der Insel gemacht, eine Nacht dort verbracht und sind dann wieder mit dem Boot zum Festland gefahren.


Leider haben wir ein schönes Spektakel verpasst, das wir unserem Bus gerne gegönnt hätten. Vor der gewaltigen Kathedrale in Copacabana, die etwas maurisch anmutet, findet am Wochenende eine Taufe statt. Ja wirklich. Die Leute kommen mit ihren Neuwagen aus halb Südamerika, schmücken sie ordentlich aus und bekommen dann die Taufe für den Wagen und den Fahrer. Vor der Kathedrale bieten Händler alle nötigen Accessoires an bis zu süßem Sekt und anderen Getränken, mit denen das Auto begossen wird, und die Fahrer ihren Durst löschen. Man sieht sie alle später mit ihren Autos und trinkenden Freuden und Angehörigen an der Strandpromenade. Nun kann ja nichts mehr passieren.
Für uns wäre das doch nichts, da wir den Bus eher in den Adelsstand erheben würden, dies scheint uns angemessener. Die Priester hier sind sehr geschäftstüchtig, alles und jeder wird getauft und gesegnet. Naja, vor Luther war das bei uns ja auch nicht anders. Aber vielleicht sollte man über diese spezielle Form nochmal nachdenken. Ich stelle mir vor, in jedem Autohaus und auf jedem Gebrauchtwagenmarkt ist gleich ein Priester, der das vor Ort erledigt. Das wäre doch für interessierte Autokäufer ein toller Service und vielleicht für Süddeutschland denkbar.
Ein Collectivo bei der Taufe... (Bild von Nina und Christian)

Ein Collectivo bei der Taufe… (Bild von Nina und Christian)

Nun wollten wir weiter nach La Paz. Nach einer Fährfahrt sprach uns eine ältere Frau an, ob wir sie mitnehmen könnten. Aber immer jerne… Die Fahrt zog sich hin. Wir kamen nach El Alto, die Stadt liegt auf 4000 Meter Höhe und ist das komplette Chaos. Da hilft dann auch ein Navigationssystem nicht wirklich weiter, weil es die Einbahnstraßen nicht kennt. Aber irgendwie geht es immer, wir finden unseren Weg und stehen dann an der Straße, die hinunter ins ca. 600 Meter tiefer liegende La Paz geht. Dieser Kessel ist eher ein trockenes weites Tal, dafür deutlich wärmer und somit angenehmer.


Wir steigen auf dem Campingplatz des Schweizer Hotels „Oberland“ ab. Claudia bekommt zur Begrüßung eine Engadiner Nusstorte. Leider ist das Engadin weit weg und die Nusstorte irgendetwas anderes. Nach so einer Enttäuschung liegt es an mir, sie zu trösten…

Am nächsten, sehr frühlingshaften Morgen erkunden wir die Stadt und nutzen das famose Gondelsystem. In mehreren Linien kann man mit den Gondeln über die Stadtteile und Hügel der Stadt schweben. Zukünftig soll eine Linie auch bis zum Flughafen (der weltweit höchst gelegene Zivilflughafen) führen. In der Stadt gibt es kaum ebene Fläche, ständig geht es hoch und runter. Zum Glück müssen wir hier nicht selber fahren. Trotz des vielen Verkehrs und der Menschen geht es angenehmen entspannt zu. Die Stadt macht einen vergleichsweise „aufgeräumten“ Eindruck. Schon oben in El Alto sieht es anderes aus. Hier unten im warmen La Paz, wo nicht die kalten Winde des Altiplano durch die Stadt fegen, sieht die Welt ein wenig anders aus. Die Stadt ist der Regierungssitz, jedoch nicht die Hauptstadt des Landes. Und wie es ich für einen Regierungssitz gehört, sehen wir in einer engen Straße nahe des Regierungsgebäudes viele Zelte stehen. Hier protestieren behinderte Menschen. In den Souvenirgassen im Zentrum sehen wir auch Läden, die u.a. Lamaföten verkaufen. Wer in Bolivien ein Haus baut, möchte gerne die bösen Geister fernhalten und so werden in alle vier Ecken Lamaföten verbaut. Darüber klärte uns der Reiseführer auf. Ansonsten wirken die Stadt und deren Menschen recht modern. Vielleicht sind diese Läden ja auch nur für Touristen…


Über der Stadt thront der schneebedeckte Illimani. Er ist mit 6.439 Metern der zweithöchste Berg Boliviens und wacht über die Stadt. Ein schöner Anblick. In La Paz treffen wir auch wieder Kristin und Stephan.
Zum Abendessen mit Kristin und Stephan

Zum Abendessen mit Kristin und Stephan


Das Hotel Oberland ist eine Institution bei den Reisenden. Ein Fahrzeug aus MOL steht auch hier. Die Insassen sind wahrscheinlich gerade bei einer Dschungeltour.
Als wir nach zwei Tagen den Talkessel verlassen und wieder hoch auf das Altiplano müssen, quälen wir den Bus gehörig. Gerade so im ersten Gang gelingt es, die 4000 Metermarke zu erreichen. Der Steigung ist so steil, dass wir an einer Stelle sogar neuen Anlauf nehmen müssen. Aber dann ist es geschafft, das kühle Altiplano hat uns wieder.
Hinauf ins Altiplano

Hinauf ins Altiplano


Wir fahren nach Süden zum Salar de Uyuni und zur Lagunenroute über die südlichen Berge Boliviens. Gerade die Lagunenroute beschäftigt uns schon seit Monaten. Sie ist einer der Höhepunkte der Reise. Jedoch ist die Fahrt extrem anspruchsvoll für uns und den Bus. Es geht auf bis zu 5000 Metern Höhe. Wellblechpisten und steile Anstiege im Sand sind zu meistern. Nachts ist es weit unter 0° Celsius, Staub dringt in alle Ritzen. Wir benötigen deutlich mehr Sprit und Wasser. Aber noch haben wir ein paar Tage Zeit und die Hoffnung, mit Freunden zusammen die Route zu fahren.

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