Bericht: In Guatemala

In Tikal
Wir wollen zur Mayastadt Tikal in Guatemala und dort den Weihnachtsabend verbringen. Am Donnerstag, den 24.12.2015 fahren wir über die Grenze und müssen bei der Ausreise noch eine Gebühr bezahlen. Dafür geht es schnell. Auf der guatemaltekischen Seite dauerte es länger. Wir haben bei einem Händler Geld getauscht und dann lange überlegt, ob das wohl ein günstiger Kurs war oder nicht. Er war schlecht.
Auf der Fahrt sehen wir immer wieder interessante Warn-Schilder.

Warnschild

Warnschild


Gegen Mittag kamen wir in Tikal an und haben uns zur Feier des Tages für ein Quartier im Hotel Tikal Inn entschieden. Ab 15:00 Uhr haben wir eine Führung durch die Ausgrabungsstätte gemacht. Tikal, inmitten der riesigen Regenwälder des nördlichen Guatemala gelegen, ist eine der bedeutendsten und wohl auch schönsten Mayastädte der klassischen Maya-Periode vom 3. bis 9. Jahrhundert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Tikal
Große Stufentempel ragen weit über den Wald hinaus und ermöglichen einen faszinierenden Blick, wir genießen ihn in der Abenddämmerung. Unser Führer Elias konnte sehr ausführlich auf unsere Fragen antworten und erwies sich als profunder Kenner. Auch hier zeigt sich das Phänomen, dass diese enorm erfolgreiche Stadt-Kultur innerhalb wenig Jahre verschwand, siehe dazu den Beitrag „Bericht: Im Süden Mexicos„. Wir hatten einen interessanten Abend und haben uns viel unterhalten, nicht nur über die Mayas. Dann haben wir den Sonnenuntergang beobachten können und von einem anderen Tempel den Aufgang des Vollmondes.

Am ersten Weihnachtstag sind wir von Tikal nach Mariscos am Lago Izabal gefahren. Eine schöne Tour durch hügelige Landschaft. Es ist viel Wald abgeholzt worden. Man sieht aber immer wieder auch Waldflächen und halboffene Landschaften. Abends gab es in einem Restaurant am See leckeren Fisch. Dann haben wir auf dem Gelände des Restaurants im Bus geschlafen.

Am Lago Atitlan
Am Samstag, den 26.12.2015 fahren wir an Guatemala-City vorbei in Richtung St. Marcos la Laguna am Lago Atitlan. Hier wollen wir Stephan und Kristin wieder treffen. Auf dem Weg führt uns das Navi durch kleine Maya-Ortschaften in den Bergen, es geht sehr steil hinauf, so dass wir schon Sorgen haben, den Weg nicht zu schaffen. Gegen Abend kommen wir in das Bergdorf St. Lucia Utatlan, sehen den See und müssen aber feststellen, dass die Straße, die das Navi vorgibt, nicht mehr vorhanden ist. Wir nutzen OSM-Karten, die wir von einem anderen Reisenden bekamen. Grundsätzlich sind sie gut, jedoch nicht unfehlbar. Für die weitere Reise nutzen wir nur noch OSM-Karten. Die Kartenapps, wie here, mapsme usw. sind an solchen Punkten eher schlechter. In Städten oft viel besser. Wir nutzen das Navi, Apps und auch Karten.
Hier jedenfalls können wir unmöglich weiterfahren. Wir sind in einer Sackgasse gelandet. Auch die Einheimischen können nur zu Fuß hinunter in die Orte am See gelangen. Dafür haben wir einen tollen Blick und dürfen die Nacht in dem netten Bergdorf verbringen.


Am nächsten Vormittag fahren wir sehr steile Straßen und Wege bergab, zumeist im ersten Gang um die Motorbremse zu nutzen, aber doch wird die Bremse heiß und tritt sich durch, d.h. sie versagt kurzzeitig. Neben der Sorge, sicher hinab zukommen, beschleicht mich die Sorge, ob wir hier jemals wieder aus eigener Kraft hochkommen…. Irgendwann kommen wir in St. Markus la Laguna an und treffen auch gleich Kristin und Stephan auf der Straße. Sie zeigen uns den Weg zum Campingplatz des Franzosen Pierre. Der Platz ist wunderschön. Direkt am See, man sieht auf 3 Vulkane.

Dann machen wir gleich eine Wanderung. Nach dem vielen Autofahren ist das eine Wohltat. Abends haben uns die beiden St. Marcus de Laguna gezeigt, ein nettes Städtchen, ganz auf die jungen Traveller der Welt ausgerichtet, aber doch sehr angenehm.

Am nächsten Tag machen wir eine Wanderung mit Walter und Lee, Freunde von Kristin und Stephan, hinauf zu den Bergdörfern, die wir bereits von unserer Ankunft am See kennen. Walter kann viel über das Land und die Menschen erzählt. Beide sind gebürtige Schweizer, die seit vielen Jahren in Canada leben. Er hat lange mit einer NGO in Canada als Entwicklungshelfer in Guatemala gearbeitet. Bei der Wanderung kamen wir immer wieder an Kaffeebüschen vorbei, die die Einheimischen in den Wald unter größere Bäume pflanzten. Die Hänge waren sehr steil, kleine Flecken mit Mais, Kartoffeln und anderem waren überall zu sehen. Die Arbeit hier ist sehr hart, der Ertrag gering, ein Leben am Rande oder nur unter dem Existenzminimum ist möglich. Er berichtete, dass die Dorfbewohner eigentlich weit entfernt vom See auf viel fruchtbareren und leichter zu bearbeitenden Flächen lebten und anbauten. Weil sie Indios sind und jemand anderes die guten Flächen haben wollte, wurden sie vom Militär mit Gewalt von ihrem Land vertrieben und fanden hier einen Platz, um den sie niemand beneidet. Diese Geschichte ließe sich wohl tausendfach erzählen. Die Indigenen wurden überall vertrieben, verfolgt und ermordet. Bei den in Mittel- und Südamerika üblichen Bürgerkriegen, die oft letztlich auf die Ungerechtigkeiten und Strukturen aus der Kolonialzeit zurückzuführen sind, kommen die Indigenen zuerst unter die Räder. In Argentinien wurden mit den großen Einwanderungswellen im 19 und 20 Jahrhundert regelrechte Feldzüge geführt, um die „Wilden“ endlich los zu werden. Ähnliches kennen wir auch von den USA.
Wir sind dann den Weg wieder ins Tal gelaufen, den uns das Navi bei der Hinfahrt als Straße anbot. Selbst für einen exzellenten 4WD (Four Wheel Drive) wäre das nicht möglich gewesen. Mit Spaziergängen und weiteren Erkundungen in der Gegend verbringen wir die nächsten Tage am Lago Atitlan.

In Antigua
Am Dienstag, den 29.12.2015 wollen wir weiter nach Antigua. D.h. den extrem steilen Berg wieder hoch. Bis fast nach oben haben wir es geschafft. Dann jedoch, an einer Stelle war die Straße nass und die Traktion nicht ausreichend, blieb der Wagen stehen. Weiteres Anfahren half nicht. Wir mussten rückwärts zwei Spitzkehren zurückrollen, um es dann mit mehr Schwung wieder zu probieren. Es war eine arge Quälerei, klappte aber gerade so. Zum Glück gab es kaum nachfolgenden Verkehr.
An den Straßenrändern sahen wir immer wieder viele Kinder, die spielten aber sich vor allem an die Straße stellten und den Autos zuwinkten. Später haben wir erfahren, dass es um die Jahreswende üblich ist, dass die Indigenen mit den Kindern von den Bergen runter zu Hauptstraße gehen, um Spenden für ihre Kinder zu bekommen. Man sah auch, dass Autos anhielten.


Am späten Nachmittag sind wir dann in Antigua angekommen und haben zusammen mit Kristin und Stephan gleich eine Tour über Sylvester auf den Vulkan Acatenango gebucht. Dann sind wir noch durch die Stadt spaziert, waren essen und haben diese tolle Kolonialstadt genossen.

Auf dem Vulkan Acatenango
Am Donnerstag, den 31.12.2015 gegen 09:00 Uhr wurden wir abgeholt und fuhren eine Stunde hoch in die Berge. Auf ca. 2450 m trafen wir unseren Guide, Tele, der auch gleich viel erzählte und uns eine tolle Tour versprach. Wir liefen Hohlwege durch meterdicke Ascheschichten entlang. Rechts und links des Weges waren Felder. Zwischen den Maispflanzen war oft noch eine Reihe Zierblumen gepflanzt. Dann kamen wir in den Bergnebelwald. Hier standen alte, knorrige Bäume, die von Epiphyten überwuchert waren. Es ging steil in Serpentinen bergauf bis zur Baugrenze bei ca. 3400 m. Bei ca. 3600 Meter, etwas 370 Meter unter dem Gipfel, haben wir unser Lager aufgeschlagen. Von hier aus konnte man wunderbar den Zwillingsgipfel des Acatenango, den Fuego, bewundern. Mit lautem Grollen brach er regelmäßig aus. Nach dem Einbruch der Dunkelheit sahen wir die Lavebrocken, die er ausspie und die herabfließende Lava. Es war ein tolles Schauspiel, sehr passend für einen Silvesterabend.


Früh morgens, kurz nach vier Uhr, habe ich Tee gemacht, dann sind wir um 4:20 Uhr aufgestanden und haben mit dem Führer den Aufstieg begonnen. Ein Kinderspiel war es nicht. Die Höhe und der kalte Wind forderten einiges. Wir waren ca. 06:00 Uhr oben auf dem schneefreien Gipfel. 06:20 Uhr begann der Sonnenaufgang. Trotz des kalten und starken Windes war es sehr schön da oben. Im Krater und am Rand des Acatenango standen andere Zelte, die dem Wind kaum standhielten. Einzelne Dinge flogen bereits durch die Gegend. Wir sind dann bald wieder abgestiegen, erschöpft aber glücklich.

Nach einem kleinen Frühstück sind wir dann gegen 08:00 Uhr aufgebrochen. Es hatte geregnet und war recht kalt. Die Müdigkeit war deutlich zu merken, der Abstieg war anstrengender als der Aufstieg.
Am frühen Abend haben wir in Antigua einen Neujahrsumzug zur Kirche miterlebt. Es wurde nicht an Feuerwerk gespart, man hätte meinen können, dass eine Straßenschlacht stattfindet. Hier mag man es eben laut, wie überall in Mittel- und Südamerika.

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