Bericht: Planänderung – auf nach Süden, wir fahren zu den Mormonen

Die Nacht nach dem Verlassen des Yellowstone Nationalparks haben wir in einer ruhigen Seitenstraße des Ortes West-Yellowstone verbracht. Die Zeltplätze in der Gegend waren voll, so dass wir den Bus, d.h. unser Schlafzimmer, in eine ruhige Seitenstraße gestellt haben. Nun werden wir wohl öfter „wild campen“ (Boondocking – free Camping), wie wir das in Europa eigentlich fast immer tun. Bisher hat es sich nicht ergeben oder wir fanden die Plätze nicht geeignet.
Nach einem kleinen Frühstück im örtlichen Grocery Store fahren wir weiter nach Idaho. Nach Idaho wollen wir Oregon durchqueren und dann zum Pazifik. Aber irgendwie haben wir Zweifel und besprechen die Route neu. Das „Cowboyland“ hat nur eine geringe Anziehungskraft auf Claudia, so dass wir nach einiger Diskussion unseren Plan ändern. Wir fahren nun direkt nach Süden und werden dann in Utah die Mormonen (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage) und die Nationalparks besuchen. Mir fällt diese Änderung etwas schwer, Oregon ist sehr schön und wild. Auch der Norden Kaliforniens, mit den Redwoods und dem Highway Nr. 1., der sich immer entlang der Pazifikküste nach Süden schlängelt, sind lohnende Ziel. Aber die Aussicht auf das baldige Erreichen des Coloradoplateaus mit seinen Mesas, Canyons und Arches versöhnt mich doch. So steuern wir unser nächstes Ziel an: Salt Lake City, die Hauptstadt des Mormonenstaates Utah.
Auf der Fahrt sehen wir im Osten die gewaltigen Gipfel der Teton Range (das Bild ist aus dem www).

Teton Range, Idaho

Teton Range, Idaho

Später liegen im Osten lange Gebirgsketten parallel zu unserem Weg, im Westen führt der Weg am Großen Salzsee vorbei. Dann erreichen wir am frühen Abend Salt Lake City https://de.wikipedia.org/wiki/Salt_Lake_City.
Nach einigen kalten Nächten leisten wir uns ein Zimmer im Hotel Tempel Nord Inn, nahe des Tempelsquare, was das eigentliche Zentrum der Stadt ist.
Nach der nun fälligen Dusche machen wir einen Abendspaziergang in Richtung Tempelsquare und schauen uns um. Der Tempelbezirk wirkt etwas künstlich und außerhalb der normalen Welt. Lauter adrett gekleidete Menschen, saubere Wege und Plätze, gesäumt von bunten Blumenrabatten und das alles bei angenehm warmen Temperaturen, selbst abends um 22:00 Uhr. Wir spazieren noch zum Kapitol des Bundesstaates und leisten uns dann ein gutes Abendessen bei einem Italiener.
Wir sind zwar müde von der Fahrt, aber es ist warm, das Essen und der Wein sind lecker und wir sind guter Stimmung. So beschließen wir auch am nächsten Tag noch in Salt Lake City zu bleiben.

Capitol des Staates Utah

Capitol des Staates Utah


Parkanlagen auf dem Tempelsquare mit junger, attraktiver Mormonin

Parkanlagen auf dem Tempelsquare mit junger, attraktiver Mormonin


Salt Lake Tempel am Abend

Salt Lake Tempel am Abend

Morgens gehe ich laufen und kann so gleich mal die Stadt etwas erkunden. Es ist eine eher kleine Stadt mit ca. 186.000 Einwohnern. Schnell ist man aus der City raus und kommt durch die immer gleichen Ausfallstraßen mit den Fastfoodketten, Autoreparaturwerkstätten und Motels. Es gibt auffällig viele Obdachlose. Auch finden sich nun viele spanische Bezeichnungen an den Läden. Utah gehörte mal zu Mexico, wie auch viele andere heutige US-Bundesstaaten des Westens. Als Mexico ein Kaufangebot der USA ablehnte kam es später zum Krieg, in dessen Folge Mexico 1848 einen großen Teil seines Territoriums verlor.
Die Straßen in Salt Lake City sind besonders breit. Als Fußgänger, die es sonst kaum gibt, ist man in dieser Weite etwas verloren. Gegenüber dem Hotel ist eine riesige Parkfläche, die auch zur Geschäftszeit nicht annährend gefüllt ist. Nahe der Stadt sieht man hohe Berge, Salt Lake City war 2004 Austragungsort der Olympischen Winterspiele.
Salt Lake City ist nicht nur für uns eine Zwischenstation auf dem Weg vom Yellowstone zu den Nationalparks Utahs. So treffen wir beim Frühstück auch andere Reisende und tauschen uns über die Pläne aus.

Gegen Mittag gehen wir zu einem Orgelkonzert im Tabernakel auf dem Tempelsquare. Das Tabernakel ist die erste Kirche, die die Glaubensflüchtlinge erbaut haben www.templesquare.com. Eigentlich dient das Konzert vor allem dazu, den Gästen zu erläutern, wie toll das Gebäude ist. Mit welcher Kunstfertigkeit die Handwerker arbeiten. Uns wird die besondere Akustik vorgestellt, die edlen Holzarbeiten des Gestühls usw…
Trotz dieser eigenartigen Vorstellung sind wir neugierig und sagen zu, als man uns eine individuelle Führung über den Square anbietet.
Die Führung ist auf Deutsch und wird von Sister Kleini aus Flensburg geleitet. Sie leistet ein freiwilliges Jahr in ihrer Kirche und wurde nach Salt Lake City gesandt. Sie führt uns über das Gelände und erklärt uns die Gebäude und deren Funktion und damit viel über Ihre Religion. Besonders interessant ist die Bibliothek (largest genealogy library in the world), in der man Ahnenforschung treiben kann. Hier sind die Daten vieler europäischer Einwanderer in die USA gespeichert. Wir stellen zu Claudia Erstaunen fest, dass es in den USA viele Feyerherms gibt. Da Mitglieder dieser Kirche auch ihre verstorbenen Angehörigen postum taufen lassen können, ist das Wissen um diese Angehörigen von besonderer Bedeutung.
Das wichtigste Gebäude auf dem Square ist der Salt Lake Tempel auf dem Tempelsquare.

Salt Lake Tempel auf dem Tempelsquare

Salt Lake Tempel auf dem Tempelsquare


Diese Kirche ist nur für die Mitglieder zugänglich. Im Gegensatz zu den anderen Kirchen ist es kein großer Raum, wo sich die Gemeinde versammelt. Das Gebäude besteht aus vielen Räumen in mehreren Etagen, die der Schulung und inneren Einkehr dienen. Besonders wichtig sind die Taufräume in den unteren Etagen des Gebäudes. Im Visiter Center wird uns mit viel Pracht und in großen Bildern die Herrlichkeit des Herrn und die Einzigartigkeit dieser Kirche vorgestellt.
Im Visitorcenter

Im Visitorcenter

Im Visitorcenter

Im Visitorcenter


Verwaltungsgebäude der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Verwaltungsgebäude der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Dies beeindruckt uns nicht so sehr. Die Klarheit und argumentative Kraft von Sister Kleini hingegen schon. Nach dem Abschied besuchen wir noch das Wohnhaus des ersten Führers der Mormonen in Utah. Auch hier führen uns wieder zwei junge Frauen aus verschiedenen Ländern, die hier freiwillig arbeiten. Sie vergessen auch nicht uns das Buch Mormon als Geschenk anzubieten.
Zum Abschluss muss ich noch meine Frage nach der Polygamie bei den Mormonen loswerden. Nein, das gibt es nicht mehr. Die Polygamie war erlaubt und nötig in den schweren Gründertagen der Kirche, da mussten sich dann die Männer um viele Frauen kümmern… Heute sei das nicht mehr nötig, wird mir erläutert.

Das Wappen des Staates Utah ist der Bienenkorb. Es soll den Fleiß der Mormonen bei der Besiedlung und Urbarmachung des Landes symbolisieren. Das ist durchaus nachvollziehbar.

Wappen des Staates Utah

Wappen des Staates Utah

Am nächsten Morgen sind wir in Richtung Arches National Park gestartet. Es war ein sehr schöner Weg. Claudia meinte, dass wir nun endlich in Amerika angekommen sind, wir sahen große Schichtstufen, Zeugenberge, Gesteine mit verschiedensten Farben und Wüstenvegetation. Wir waren beide sehr begeistert und freuen uns auf das Kommende.

Fahrtimpressionen

Fahrtimpressionen


Fahrtimpressionen

Fahrtimpressionen


Fahrtimpressionen

Fahrtimpressionen


Fahrtimpressionen

Fahrtimpressionen


Fahrtimpressionen

Fahrtimpressionen


Bei einer Pause wurden wir mal wieder auf den Bus angesprochen. Bei der Gelegenheit sprach uns auch ein Typen an, der uns erläuterte, dass die Welt den Amerikanern dankbar sein muss. Amerika bringe Freiheit und Wohlstand zu den Völkern. Er bedauerte es sehr, dass man ihn nach seinem ersten Irak-Einsatz bei der US-Armee nicht mehr haben wollte. Er versäumte es jedoch nicht, uns auf seine Waffe hinzuweisen, die er stolz mit sich trug, und zu erläutern, dass dies ein Grundrecht der Amerikaner sei. Gespräche zum Thema Waffen haben wir immer wieder. In der Regel mit Leuten, die Waffen tragen oder besitzen. Das Hauptargument ist letztlich immer, dass die Polizei ja doch zu spät kommt, wenn der Einbrecher im Haus ist, da muss man ihn schon selbst niederstrecken. Eigentlich haben wir da nicht diskutiert. Es gibt so eine Art Sendungsbewusstsein für die fixe Idee, dass der Mensch eine Waffe tragen muss. Wir Europäer ticken da wohl etwas anders…

Wir genießen die Fahrt durch Utah und kommen am Abend in Moab an. Moab ist das Zentrum eines Outdoor Paradieses. Hier wandert man, fährt Mountainbike und besichtigt den Arches Nationalpark. Daher sind die Campingplätze voll. Wir füllen unseren 60 Liter Wassertank an einem Campingplatz auf und finden dann einen einfachen Zeltplatz außerhalb der Stadt direkt am Ufer des Colorado Rivers finden. Der Navajosandstein um uns herum leuchtete rot in der Abendsonne, eine tolle Stimmung.

Am Colorado River

Am Colorado River


Er hat es/uns weit gebracht...

Er hat es/uns weit gebracht…


Colorado River bei Moab

Colorado River bei Moab


Colorado River bei Moab

Colorado River bei Moab

Nun beginnt unsere Erkundung des berühmten Colorado Plateaus https://de.wikipedia.org/wiki/Colorado-Plateau. Wir starten im Norden und werden es erst nach dem geplanten Aufenthalt im Grand Canyon im Süden wieder verlassen. Dann sind wir schon in Arizona. Dazwischen wollen wir diverse Nationalparks und National Monuments besuchen. Nun sind wir in einer ariden Landschaft mit wenig Vegetation, die Flüsse und Bäche sind meist ausgetrocknet und nur saisonal aktiv.

Am Mittwoch, des 16.09.2015 stehen wir früh auf zu einer ausführlichen Erkundung des Arches Nationalparks https://de.wikipedia.org/wiki/Arches-Nationalpark.
Nach der Einfahrt in den Park führt eine steil ansteigende Straße auf das Hochplateau. Die Morgensonne taucht die Steine in rote Farbe. Immer wieder halten wir an, um Fotos zu machen. Wir sehen in der Ferne die ersten Arches (Steinbögen).

Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P., fossile Dünen

Arches N.P., fossile Dünen


Dann erreichen den Ausgangspunkt für unsere Wanderung. Hier wandern im Devils Garden mit sehr vielen Arches. Aber selbst ohne diese schönen Felsbögen wäre die Gegend grandios. Hier ein paar Fotos.
Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Arches N.P.

Arches N.P.


Wanderpause

Wanderpause


Arches N.P.

Arches N.P.

Am Nachmittag versuchen noch auf den Zeltplatz zu kommen, der inmitten des Parks zwischen den Sandsteinformationen liegt. Aber wir haben Pech. Bei monatelangen Vorabmeldungen kommt man nur mit sehr viel Glück kurzfristig auf den Platz. Am Abend wandern wir hoch zum Delicate Arch. Er ist von einer Seite von einer theaterartigen Felsformation umfasst, auf der die Leute pünktlich zum Sonnenuntergang den Arch bewundern. Die andere Seite gibt den Blick frei über das weite Land und bildet eine großartige Kulisse für den bekanntesten der Arches.

Weg zum Delicate Arch

Weg zum Delicate Arch


Weg zum Delicate Arch

Weg zum Delicate Arch


Delicate Arch

Delicate Arch


Delicate Arch

Delicate Arch


Delicate Arch

Delicate Arch


Claudia

Claudia


Delicate Arch

Delicate Arch

Dann finden wir im Dunkel wieder unseren Campground am Colorado River. Hier gilt „first come, first serve“. Man registriert sich selbst und hinterlässt den Fee (Gebühr) in einem kleinen Kuvert in einem Briefkasten, falls noch ein Platz frei ist.

Moonshine over Moab

Moonshine over Moab

Am nächsten Tag versuche ich mich als Mountainbiker am Porkupine Rim http://www.utahmountainbiking.com/trails/porcup.htm. Es geht mehrere Hundert Höhenmeter auf einem schmalen Pfad bergauf. Manchmal ist der Weg eher treppenartig, so dass ich das Rad tragen muss und steige. Dann fahre ich in kurzer Zeit wieder runter. Eine sehr anspruchsvolle Tour. Später lese ich, dass man sich auch auf über 3000 Meter hochfahren lassen kann und dann runter fährt. Das würde auch Spaß machen. Am Pfad finden wir aber auch ein Denkmal für tödlich verunglückte Mountainbiker. Einige Abschnitte waren wirklich sehr ausgesetzt und schmal.

Porkupine Rim

Porkupine Rim


Porkupine Rim

Porkupine Rim


Porkupine Rim

Porkupine Rim


Porkupine Rim

Porkupine Rim


Für Gregor, Matthias & Ari und alle anderen Mountainbiker hier noch ein besonderer Link zum Porkupine Rim:
https://www.youtube.com/watch?v=F4QHMqqobT0

Am Nachmittag besuchen wir das beeindruckende Visitorcenter des Nationalparks und fahren noch ein paar gemühtliche Runden in einem Park mit den Mountainbikes.

Am Freitag, den 18.09.2015 sind wir zum Death Horse Staate Park gefahren https://de.wikipedia.org/wiki/Dead_Horse_Point_State_Park.
Hier gibt es auf einem Bergsporn einen tollen Blick über eine Schleife des Colorado River. Diesem Fluss werden wir die nächsten Wochen folgen. Von Weiten zieht er als trüber Strom träge dahin. Man kann sich kaum vorstellen, dass er sich so tief in diese grandiose Landschaft eingeschnitten hat.
Wir machen eine schöne Wanderung entlang des Sporns.

Colorado River vom Death Horse Point

Colorado River vom Death Horse Point


Blick über den Canyon des Colorado River

Blick über den Canyon des Colorado River


Wandersleut'

Wandersleut‘


Blick zum Colorado River vom Death Horse Point aus

Blick zum Colorado River vom Death Horse Point aus


"ready for take off"

„ready for take off“

Das Visitorcenter des Staateparks ist sehr schön gelegen und hat eine tolle Aussicht.
Die US-Flagge vor dem Center steht auf Halbmast. Die Ranger sagen uns, dass bei einer Flashflood im Zion Nationalpark mehrere Menschen ums Leben gekommen sind. Die Warnung vor Flashfloods begegnet uns von nun an öfter. Unter anderem warnen Schilder auf Straßen, die ausgetrocknete Bachbetten kreuzen.

Den Abend haben wir auf einem sehr einfachen Campground verbracht.Jedoch hatten wir eine wunderbare Aussicht und morgendliche Besuch: Die Klowächter waren da.

Cowboy Campground

Cowboy Campground


Abendstimmung am Cowboy Campground

Abendstimmung am Cowboy Campground

Abendstimmung am Cowboy Campground

Abendstimmung am Cowboy Campground


Abendstimmung am Cowboy Campground

Abendstimmung am Cowboy Campground


Abendstimmung am Cowboy Campground

Abendstimmung am Cowboy Campground


Klowächter

Klowächter

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2 Responses to Bericht: Planänderung – auf nach Süden, wir fahren zu den Mormonen

  1. Judy says:

    I was in Zion National Park in October. It was very pretty.

  2. Karola und Peter says:

    Grandios!! von Karola und Peter am Neujahrsnachmittag

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