Bericht: Paddeltour auf dem Niobrara River und Begegnung mit Susann Two Bulls

Heute wollen wir die 64 Meilen direkt nach Norden nach Valentine in Nebraska an den Niobrara River fahren. Hier beginnt der „Niobrara Nationale Scenic Riverway“, ein Paddelparadies das wir natürlich erkunden möchten.
Am Niobrara, in den Black Hills und in der gesamten Region spielte meine Kinderbücher „Die Söhne der großen Bärin“, über die Bärenbande, eine Gruppe der Sioux. Mehr dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_S%C3%B6hne_der_Gro%C3%9Fen_B%C3%A4rin

Im Niobrara Statepark angekommen erkunden wir uns im Visitorcenter über die Übernachtungs- und Paddelmöglichkeiten und verbringen die Nacht auf einem Campingplatz direkt am Fluss. http://www.nps.gov/niob/index.htm

Niobrara River

Niobrara River

Eisenbahnbrücke über dem Niobrara River

Eisenbahnbrücke über dem Niobrara River

Abends besichtigen wir noch den Smith Fall, wo Claudia gleich eine Dusche nimmt.

Ab Morgen starten wir unsere Paddeltour mit der üblichen Fahrt zur Einsetzstelle. Es ist noch relativ kühl und der Fluss ist ziemlich bewegt. Wir fahren zum ersten Mal in zwei Einer-Kajaks. Nun ist jeder für sich selbst verantwortlich. Wir beginnen an der Cornell Bridge beim Fort Niobrara. Das Fort spielt auch bei den „Söhnen der großen Bärin“ immer wieder eine Rolle.
Es ist eine schöne Tour mit nur wenigen bewegten Stellen, es ist zu dieser Jahreszeit kein Wildwasser. Wir paddeln ca. 5,5 Stunden bis zum Sunny Brook Camp. Wir kommen an beeindruckenden Felswänden vorbei, schönen sanften Uferbereichen und lassen uns im Fluss sanft dahin treiben.

Paddler voraus

Paddler voraus

Paddlergruss

Paddlergruss

Leider sind später viele Leute auf dem Fluss, die sich auf großen Traktorschläuchen hinunter treiben lassen. So sehr wie deren Lärm nervt, erstaunt es auch, wie sie es schaffen, diverse Schläuche aneinanderzubinden, große Kühlboxen darauf zu befestigen und aus einem Naturerlebnis eine Party zu machen. Sie sind ähnlich begeistert wie wir, nur anders…
Der Verleiher hat unseren Bus inzwischen zum Zielcamp gefahren, so dass wir nach einer schönen Verschnaufpause, wieder zu unserem Campingplatz fahren.
Da wir auf den Schotterpisten nicht schnell fahren und die Fenster offen haben, bemerken wir wieder diesen guten Duft der uns schon zu Beginn der Tour auffiel. Auf unser Nachfragen hin sagte unser Verleiher, dass: „der ‚Grass‘-Geruch vom sogenannten ‚Rattengrass‘ (Rat Weed) stammen würden, das Zeug taugt nicht zum Rauchen und wächst hier überall wild.“

Rat Weed

Rat Weed

Es riecht jedenfalls sehr gut und das in dieser schönen Landschaft.

Am nächsten Tag geht es weiter nach South Dakota in Richtung der Black Hills. Nach der morgendlichen Dusche unter den Smith-Falls, sind wir nach Valentine gefahren, wollten tanken, unser Internetpost bearbeiten und dann in Richtung Black Hills fahren.
Bei der Fahrt weg vom Statepark auf einer Waschbrettpiste bin ich beinahe von der Straße in den Graben gerutscht, durch Gegenlenken sind wir wieder auf die Fahrbahn gekommen. Wir waren beide sehr erschrocken, das war knapp.
In Valentine an der Tankstelle trafen wir ein deutsches Paar in einem kleinen, feinen Wohnmobil. Er ist Fluglehrer bei der Bundeswehr in Texas auf einem Fliegerhorst. Sie, die begleitende Ehefrau. Sie haben hier ein Kind bekommen, welches nun automatisch die US-Staatsbürgerschaft hat. Das Wohnmobil ist toll, vergleichsweise klein und doch sehr komfortabel.

Entering Indian Country

Entering Indian Country

Dann fahren wir in Richtung Pine Ridge, South-Dakota. Die Hauptstadt eines gleichnamigen Indianerreservates der Sioux. Man spürt sofort, dass man in einem Reservat ist. Es herrscht eine deutliche Armut und gewisse Verwahrlosung. Vor den oft kaputten und einfachen Häusern sind kleine Autoschrottplätze, man sieht mehr Leute am Wegesrand, die zu Fuß unterwegs sind. Schulen tragen die Namen der großen Häuptlinge, die Infrastruktur scheint deutlich schlechter. Dann sehen wir zu unserem Erstaunen eine Art Bürgersteig mit Straßenbeleuchtung entlang einer nur wenig bewohnten Straße.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pine_Ridge_Reservation
Hier im Reservat Pine Ridge spielt auch die Geschichte von Joe King (Inya-he-Yukan, „Stein hat Hörner“), der in den 60er Jahren zu Beginn des Indian Movements versucht, seinen Stamm/tribe aus einer fast hundertjährigen Lethargie zu führen. In dem fünftbändigen Werk von Liselotte Welskopf-Heinrich schafft er das nur in Ansätzen, scheitert immer wieder an den Aufsichtsbehörden und den eigenen Stammesbrüdern. Im letzten Band wird er dann auch ermordet. Jedoch gibt es eine jüngere Generation, die aufgerüttelt ist und seine Arbeit fortsetzen will.
https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Blut_des_Adlers

Auf der Weiterfahrt treffen wir in einem Abschnitte der Bad Lands auf dem Gelände des Reservates die Lakota/Sioux Susanne Two Bulls.
Sie gehörte in Pine Ridge zur Stammespolizei und ist nun pensioniert. Sie berichtet von all den Problemen, die in den Romanen schon beschrieben worden sind. Alkohol, Suizid von Jugendlichen, Willkür der Aufsichtsbehörde usw. Sie selbst hat diese Probleme in ihrer Familie ist aber fest entschlossen, dem entgegen zu treten. Sie bemerkt, dass die Frauen im Stamm die eigentlichen Stammesführer sind und viel bewegen.
Sie berichtet auch, dass Sie mit Ihrem Enkel wieder Lakota spricht. Die Benutzung und Lehre der eigenen Sprache war viele Jahre lang verboten, nun ist es wieder sehr populär. Auch wendet man sich wieder den eigenen Glaubensritualen zu.
Zum Abschied unterschreiben wir noch eine Petition an den Präsidenten zur Rückgabe der Black Hills an die Lakota. Im Nachgang lesen wir dann auch den detaillierten Begleittext der Petition mit der Zeitplanung usw. …eine Rückgabe ist wohl doch sehr unwahrscheinlich.

Gespräch mit Susann Two Bulls

Gespräch mit Susann Two Bulls

Petition

Petition

Bad Lands 1

Bad Lands 1

Bad Lands 2

Bad Lands 2

Reste der "US-Mondlandung"

Reste der „US-Mondlandung“

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Valentine

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Valentine 42.872783, -100.550967
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