Bericht: Nebraska- “Gods own Cow Country“

Von St. Louis aus sind wir weiter nach Westen in Richtung Kansas City gefahren. Dabei haben wir nochmal den Missouri River gequert, sehr bequem auf einer Autobahnbrücke…
Später sind wir weiter in Richtung Omaha, Nebraska, nach Norden gefahren. Wir sind lange durch eine sehr breite fruchtbare Ebene, parallel zum Missouri gefahren. Im Osten zeigte sich ein Bergzug, den wir dann am Abend näher kennenlernten.
Hier im Waubonsie State Park in Iowa haben wir die Nacht verbracht. Der Staate Park liegt auf einer Hügelkette aus Löss, der während der Eiszeit angeweht wurde. Die Lössdecke scheint ziemlich mächtig. Auf einer Schautafel wurde sie auch als Schatz Iowas bezeichnet.

Ein paar Detailinfos dazu finden sich hier:
Waubonsie is located in the unique „Loess Hills,“ a landform found only along the Missouri River in Iowa and Missouri and in China. As glaciers melted 14,000 to 28,000 years ago, the Missouri River became a major channel for huge volumes of water and sediment during the summer. In winter, the volume of the meltwater was reduced, leaving the deposited sediments exposed to the wind. These sediments of silt, clay and very fine sand particles called „loess“, were then carried by strong westerly winds and deposited when these winds encountered the steep slopes of the east valley wall.
There are several distinctive features of loess hills topography. Because of the fine texture of the soil, deep, steep-sided and very narrow ridge tops have been eroded in the hills. Small, step-like terraces called „cat steps“ resulting from repeated slipping of the soil can be seen on many west-facing slopes. Since the soil drains rapidly, nearly vertical cuts can be made in the soil without erosion. The unique topography of the park resembles the „badlands“ of the west and harbors plants like the yucca which are normally found in more arid climates.
Named for Chief Waubonsie of the Native American Pottawattamie tribe, the park is much the same today as it was when it was purchased in 1926. The changing seasons complement the beauty of this countryside. Spring brings the blossoms of dozens of varieties of flowers and shrubs. Summer beckons with cooling breezes on the high places and in shady glens. Nowhere in Iowa are there more brilliant splashes of color than at Waubonsie in the fall, and in the winter the bluffs and ridges are sometimes beautifully blanketed with snow.

Mehr dazu hier: http://www.iowadnr.gov/Destinations/StateParksRecAreas/IowasStateParks/ParkDetails.aspx?ParkID=610131

Hier trafen wir auch Louis and Helen McDonald aus New Mexico, die uns sehr leckere Pecan Nüsse aus der eigenen Ernte schenkten. Sie touren, wie so viele ältere Amerikaner, mit Ihrem Wohnwagen durchs Land und erkunden die reiche Natur Nordamerikas. Jüngere Leute haben dazu oft kaum Zeit. Arbeitnehmer haben hier deutlich weniger Urlaub.

Dann ging es südlich um Omaha herum westlich nach Nebraska. Hier haben wir zum letzten Mal den Missouri überquert. Später fuhren wir vorbei an der Hauptstadt Lincoln auf dem Interstaate 80. Nach Grand Island biegen wir ab nach Nordwesten auf dem Highway 2. Hier queren wir den Platte River. Wir kommen durch Orte mit so schönen Namen wie Broken Bow und Ravenna. Hier ist die Sehnsucht nach der Heimat aber auch die Besiedlungsgeschichte ablesbar. Die Orte sind eher Straßenkreuzungen mit Lagern für Korn und andere landwirtschaftliche Erzeugnissen. Parallel zum Highway verläuft ein Eisenbahntrasse. Kohlezüge mit drei Lokomotiven am Anfang und einer am Ende rollen minutenlang an uns vorbei. Die Strecke gehört zur Union Pazific Railroad, die heute fast nur noch im Güterverkehr tätig ist. Sie wurden ab dem 1870er Jahren durch das Gebiet der Prärieindianer gebaut. Hier waren sehr viele Chinesen beschäftigt.

Kohlezug

Kohlezug

Wie ihr seht üben wir uns in der Kunst des „Drive-by-Shooting“, bei uns handelt es sich jedoch um Fotos…
https://de.wikipedia.org/wiki/Drive-by-Shooting

Es werden immer weniger Mais- und Weizenfelder, die Weideflächen nehmen zu. Wenige Kühe stehen auf riesigen Flächen. An einer Countygrenze wird man begrüßt mit „Gods own Cow Country“.

Wir halten am Rand des Highway 2 an. Eine Schildkröte will über die Straße. Bei den Lastern die hier langbrausen hat sie keine Chance und ich will meine alltägliche „Gute Tat“ hinter mich bringen…
Jedoch wehrt sie sich und hat kräftige Pfoten mit Krallen, so dass ich sie erschrocken wieder los lasse. Es ist kein passendes Werkzeug zur Hand. Ich dachte an eine Greifzange für garstige Schildkröten… Sie schaut böse und will wieder auf die andere Straßenseite. Wir sind etwas ratlos.
Da hält ein Truck (so nennt man hier die Pick Ups). Der Man fragt, ob er helfen kann. Ich berichte, dass ich die Schildkröte nicht über die Straße bekomme. Er schaut etwas ungläubig, als ich bestätige, dass es sich um eine Turtle handelt grinst er mich an und geht forschen Schritts hin zum Tierchen. Jetzt stutz auch er etwas und sagt, dass es sich um eine Snappy-Turtle handelt, die einem schon mal den Finger abbeißen kann…
Er fasst sie entschlossen am Schwanz, sie faucht und windet sich. Er will sie an den Straßenrand bringen, von dem sie herkommt. Als ich ihn über ihr eigentliches Ziel aufkläre, schüttelt er den Kopf, geht über die Straße und wirft sie in die Binsen.
Nach einer kurzen Frage und Antwort, wo wir herkommen, verabschieden wir uns und jeder fährt seines Weges.
Claudia ist ganz begeistern von dem Snappy-Turtle-Cowboy und möchte, dass wir noch eine finden und ich sie dann ganz professionell in die Binsen schicke, damit Sie das dann fotografieren kann. Ich verzichte gerne.
Als gute Tat darf diese Rettung jedoch gelten, oder?

Common snapping turtle

Common snapping turtle

Mehr zum netten Tierchen: https://en.wikipedia.org/wiki/Common_snapping_turtle

Wir verbringen die Nacht im Nebraska National Forest. Hier sind zwischen dem Dismalriver und dem Middle Loup mehrere Campgrounds in einem ehemals aufgeforsteten Gebiet inmitten des „Great American Desert“.
https://en.wikiphttps://en.wikipedia.org/wiki/Great_American_Desertrg/wiki/Great_American_Desert
In diesem riesigen Gebiet sind bewachsene Sanddünen, an einigen Stellen sind sie auch noch mobil. Das ist schon die Prärie, für die wir hergefahren sind. Wenngleich es eher mein Interesse ist. Claudia kann meine abseitigen Interessen kaum verstehen. Ist jedoch geduldig mit mir.

Windrad für die Viehbrunnen in der Prärie

Windrad für die Viehbrunnen in der Prärie

Wir sind auf einem einfachem etwas abseitigem Campground, fahren mehrere Meilen über schlechte Straßen und Pisten dorthin. Ein sehr schöner Platz mit nur wenigen Leuten. Es ist das Wochenende vor Labor Day, das Ende der Urlaubsaison und ein langes Wochenende für die Leute hier.
Abends gehe ich noch in die Dünen und bestaune die Weite und Erhabenheit der Landschaft. Es sind „bewachsene Wellenberge“, hinter jedem Hügel geht es weiter, kommt eine neue Anhöhe. So geht es weiter bis zum Horizont. Es könnte gut sein, dass nun eine Herde Buffalos über die Hügel stobt, verfolgt von einer Gruppe Sioux auf Pferden, die mit lauten Rufen ihre Beute verfolgen, einzelne Tiere von der Herde trennen, erlegen und dann weiter der Herde folgen.

Prärie

Prärie

Sonnenuntergang über der Prärie

Sonnenuntergang über der Prärie

Ich öffne die Augen und gehe wieder zurück zum Campingplatz, wo Claudia im Bus inzwischen ein leckeres Abendessen gezaubert hat.
Abends ist es nie allzu spät. Wir lesen noch und löschen die Lichter.

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