Bericht: Mexico – Bienvenidos en los Estados Unidos Mexicanos

Am Montag, den 09.11.2015 sind wir mit der Fähre von der Baja in Mazatlán im Bundesstaat Sinaloa angekommen. Damit betreten wir nun wirklich das „richtige“ Mexico. Der Eindruck ist gleich anders als auf der Baja. Es ist heiß und schwül, die Stadt ist bunt und mit sehr schönen Details und teilweise sehr gepflegten Plätzen. Wir finden es schön.

Nach einer kleinen Stadtbesichtigung fahren wir weiter nach Süden. Dabei kommen wir durch ein weitflächig überschwemmtes Gebiet, gerade die Straße ist passierbar. Hier zog ca. 3 Wochen zuvor ein Hurrikan vom Pazifik kommend über das Land. Freunde aus Berlin haben uns noch davor gewarnt. Wir waren jedoch ca. 1500 km weiter nördlich und so außer Gefahr. Wir verbringen die Nacht auf einem Platz an der Playa las Lupitas unter Kokospalmen. Auf dem Weg zum Platz sind so große Pfützen, dass ich sie besser durchwate, um die Passierbarkeit zu prüfen. Claudia fährt dann kühn mit unserem Amphibienfahrzeug hinterher.
Die Kokospalmen auf dem Platz stehen so dicht, dass wir aufpassen, nicht eventuell von Kokosnüssen erschlagen zu werden. Die Gefahr ist durchaus real. Wer einmal gesehen hat, aus welchen Höhen und mit welcher Wucht die Nüsse herunterfallen, ist zu Recht vorsichtig. Ein Nordamerikaner, der dort längere Zeit mit dem Wohnmobil steht, ermuntert mich mit der Machete eine Kokosnuss zu öffnen. Das gelingt, ist aber nicht so einfach. Die Einheimischen machen das mit einem gezielten Schlag. Ich hacke auf der Nuss herum, die sich irgendwann erbarmt und öffnet.


Am nächsten Tag fahren wir an der Pazifikküste weiter nach Süden in den Küstenort Chacalá im Bundesstaat Nayarit. Hier treffen wir Ruth von Claudias Italienischclub und ihren Sohn Tobias. Die Begrüßung ist sehr herzlich, es gibt viel zu erzählen. Wir freuen uns auf schöne Tage. Wir gehen spazieren, genießen die gute mexikanische Küche und den Traumstrand mit Palmen in einer zauberhaften Bucht.

An einem dieser schönen Abende beim Essen hören wir von den Anschlägen in Paris. Wir sind sehr betroffen. Solche Nachrichten aus dem richtigen Leben holen uns schnell aus der Idylle heraus. Es ist auch klar, dass es immer und überall wieder passieren wird, wie die aktuellen Ereignisse in Brüssel zeigen. Einen wirklichen Schutz kann es wohl nicht geben. Wir verdrängen es bis zum nächsten Mal.
Schwarze Rose

Tobias lebt schon eine Weile in Mexico und arbeitet in Puebla für Volkswagen. So erfahren wir eine Menge Dinge über Land und Leute. Für junge Leute, die sich im Berufsleben erstmal etablieren müssen, ist es wohl sehr schwer. Jobs werden gegen Geldzahlungen vergeben. Das Vererben von Stellen, unabhängig von der Qualifikation, ist üblich und führt zum Beispiel im Schulsystem zu einer schlechten Bildung und wenig Chancen. Scheinbar funktioniert dieses System immer noch.
Wer mehr dazu lesen möchten, dem sei dieses Buch empfohlen: www.amazon.de/gp/product/B0089WCLD0/ref=dp-kindle-redirect?ie=UTF8&btkr=1

Nach mehreren schönen Tagen mit Ruth und Tobias fahren wir ins Landesinnere in die Stadt Guadalajara. Wir mieten uns in ein Hotel ein. Der Bus steht im Hof des Hotels. Das ist ein Vorteil unseres etwas kleineren Gefährtes. Wir können leicht in Städte fahren und finden auch Parkplätze. Ungern lassen wir den Wagen irgendwo auf der Straße stehen.
Guadalajara ist eine tolle Kolonialstadt mit zauberhaften Plätzen, großen Kathedralen, Palästen, Märkten mit Garküchen und einem quirligen Straßenleben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Guadalajara_%28Mexiko%29
Es gibt viel Kunst im öffentlichen Raum und schöne Museen. Wir spazieren lange durch die Stadt. An einem Abend besuchen wir den Stadtteil Tlaquepaque. Es ist ein Außenbezirk von Guadalajara, der durch seine Märkte, seine Kunsthandwerker und sein nächtliches Straßenleben bekannt ist. Wir hören Mariachis und sehen echte Voladores – die Fliegenden Tänzer. Dies ist ein sehr altes Ritual, welches zu Ehren der Fruchtbarkeits- und Frühlingsgötter aufgeführt wird. Mehr dazu findet Ihr hier: www.mexiko-lindo.de/themenpool/sitten-braeuche-und-traditionen/244-voladores-die-fliegenden-taenzer.html

Auf dringende Empfehlung von Rossi fahren wir dann weiter nach Guanajuato durch das zentralmexikanische Hochland. Und Rossi hat Recht! Wir kommen in eine bezaubernde kleine Stadt mit engen Gassen, sehr idyllischen Plätzen, schönen Gebäuden umgeben von Hügeln, die überraschende Ein- und Ausblicke ermöglichen. Die Stadt ist eine der legendären Silberstädte Mexikos und ist heute Weltkulturerbe. Alte Silberstollen gehen durch die Stadt und werden als unterirdische Straßen und Verbindungstunnel zwischen den Stadtteilen genutzt. Bei unserer Einfahrt sind wir mehrfach „abgetaucht“, um dann an einer anderen Stelle in der Stadt wieder „aufzutauchen“.


Die Nächte verbringen wir auf einem kleinen Hof, dessen Besitzer Stellplätze an „Overlander“ (Langzeitreisende mit dem Wohnmobil) vermietet. Duschen und Toiletten sind vorhanden. Es war jedoch nicht einfach, die enge und steile Gasse hinauf zu dem Hof zu gelangen. Aber es gelang, zum Glück kam kein Gegenverkehr.
Dort treffen wir auch wieder andere Reisende. Schweizer, die seit vielen Jahren in der Welt unterwegs sind. Den Sommer verbringen sie in der Schweiz. Wenn es dann kühler wird, fliegen von dem Ort aus, wo ihr Wohnmobil sicher auf einem Zeltplatz abgestellt ist, und reisen durch die Welt. Wir werden noch viele solche Reisenden treffen. Die Gespräche sind immer sehr interessant, wir bekommen Empfehlungen und Tipps. Und so groß und perfekt, wie deren Reisemobile jetzt sein mögen, meist haben sie doch in früheren Jahren mit VW Bus T2 angefangen, die Welt zu bereisen.
Link zu Guanajuato: https://de.wikipedia.org/wiki/Guanajuato_%28Stadt%29

Nach einigen Tagen fahren wir weiter nach San Miguel de Allende. Dies ist eine der schönsten alten Kolonialstädte Mexicos mit Weltkulturerbestatus.


Auch diese Stadt bezaubert uns. Wir treffen dort Reisende, die sich in die Stadt verbliebt haben und hängen geblieben sind. Inzwischen gibt es auch schon eine kleine US-amerikanische Community am Ort. Wir nutzen die Zeit für Stadtspaziergänge, Fahrradausflüge, die gute mexikanische Küche, Reparaturen am Auto und den Austausch mit anderen Overlandern.
Link zu San Miguel de Allende:https://de.wikipedia.org/wiki/San_Miguel_de_Allende

Am Sonnabend, den 21.11.2015 fahren wir weiter in Richtung Teotihuacan, östlich von Mexiko City. Auf Wunsch von Claudia lassen wir die Ciudad de México weg und umfahren sie auf einem äußeren Autobahnring in Richtung Osten. Hier gelangen wir das erste Mal an korrupte Polizisten. Sie halten uns an und teilen uns mit, dass wir auf dieser Straße nicht fahren dürfen, da es Fahrverbote aufgrund der Umweltverschmutzung für ausländische Fahrzeuge gibt. Man müsse nun das Auto beschlagnahmen. Wir könnten es dann am Montag, es war Samstag, in Mexico City wieder einlösen. Wir wissen, dass es Fahrverbote für die City gibt, jedoch nicht ob das auch für den äußeren Autobahnring gilt. Wir sind etwas verunsichert, weil in Unkenntnis. Der Polizist zeigt uns eine offizielle Broschüre, in der die Fahrverbote aufgelistet sind. Details lassen sich jedoch nicht genau erkennen. Wir sind hin- und hergerissen. Wir denken, dass man uns betrügen will, wissen aber selbst nicht die genaue Rechtslage. Es entspinnt sich eine Diskussion, in der der Polizist droht, er würde jetzt den Abschleppwagen rufen. Dann kommt sein Angebot, gegen eine „kleine Summe in bar“, ließe sich das alles vor Ort klären und wir könnten weiterfahren. Spätestens da ist klar, dass es sich um Betrug handelt. Jedoch ist die Sachlage bzgl. des Fahrverbotes nicht klar und wir sind unsicher, inwieweit wir uns wehren können. Schließlich zahlen wir die Summe und können weiterfahren. Wir haben mächtig Wut im Bauch und sind frustriert. Schnell stellt sich in der Folge heraus, dass es kein Fahrverbot für ausländische Fahrzeuge auf der Umgehungsstraße gibt.
Im Gespräch mit anderen Overlandern hören wir dann die Tricks, die man in solchen Fällen anwenden kann. So zum Beispiel: „Kein Spanisch sprechen“, um das Ausfüllen eines Formulars der deutschen Botschaft mit Namen und Adresse des Polizisten bitten, eine kleine Kamera im Auto haben und dezent darauf hinweisen, dass diese gerade läuft oder so lange diskutieren, bis der Polizist die Geduld verliert und sich lieber einem anderem Opfer zuwendet usw. Jeder hat so seinen Rat. Solche Dinge passieren leider immer wieder. Auch Mexikaner haben damit zu tun. Und man kann sicher auch an den „Falschen“ geraten, der einen dann wirklich erstmal einsperrt und einen dann zwei Tage später wortkarg wieder entlässt.
Auf einer Reise durch die Länder Mittel- und Südamerikas muss man leider solche Sachen einkalkuliere. Bisher ist uns das noch ein weiteres Mal in Nicaragua passiert. Auch hier war es eine falsche Anschuldigung. Der Betrag war jedoch gering.
Wir kommen am Abend in der Stadt Teotihuacan an und bleiben auf einem Campingplatz.

Teotihuacan ist eine der bedeutendsten prähistorischen Ruinenstädte Amerikas. Am nächsten Morgen fahren wir mit den Rädern zur Ausgrabung. Wir sind sehr früh und haben die Stadt und die Pyramiden fast für uns. Dafür ist es noch etwas kühl. Aber der Blick auf die riesige Anlage mit mehreren großen Pyramiden entschädigt sehr dafür.


Gegen Mittag, verändert sich die Szenerie mehr in Richtung eines Rummelplatzes. Es sind viele Menschen auf dem Gelände und den Pyramiden, Händler machen pausenlos ihre Angebote, es gibt Obsidian-Messer, mit denen in früheren Zeiten am Ort Menschen geopfert wurden, Jaguarpfeifen ertönen pausenlos und nerven, eine Tanzgruppe führt indianische Tänze auf.
Wir sind fast den ganzen Tag dort. Es gibt viele Details an den einzelnen Gebäuden und der Anlage sowie im Museum zu sehen.

Mehr zu Teotihuacan: https://de.wikipedia.org/wiki/Teotihuac%C3%A1n
In den nächsten Tagen verlassen wir das Hochland von Mexico und fahren in Richtung der östlichen Küstenebene. Aber dazu mehr im nächsten Bericht.

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