Bericht: Kentucky inside – unser Besuch bei Judy in Bowling Green, Kentucky

Am folgenden Wochenende besuchen wir Judy und Ihren Mann Estell in Bowling Green, Kentucky. Judy hat vor einigen Jahren eine Woche bei uns in Berlin gewohnt. Wir hatten eine schöne Zeit miteinander und so freuen wir uns, dass wir nun einen Gegenbesuch antreten können und mehr über Judy und Ihr Leben in Kentucky erfahren können.
Wir bekommen einen schönen Empfang. Bei einem Frühstück berichten wir erstmal, was sich in Berlin so ereignet hat, wie es Jakob geht, was wir so treiben und natürlich berichten wir über die bisherigen Erlebnisse unserer Reise und die weitere Planung. Estell muss arbeiten. Seine Firma, ein japanischer Automobilzulieferer, verlangt Überstunden und so ist er nach einer langen Arbeitswoche auch noch am Samstag und am Sonntag in der Firma. Am Nachmittag zeigt Judy uns Ihre Arbeitsstelle, den Campus der WKU, der Western Kentucky University. Es sind noch Ferien, aber doch ist auf dem Campus viel los.
Dann fahren wir ins Zentrum der Stadt. Dies ist genaugenommen nur ein Platz mit den Häusern rings herum. Die weiteren Bereiche des Zentrums sind als solche nach unseren Vorstellungen nicht zu erkennen. Jedoch gibt es trotzdem Interessantes zu sehen. So besuchen wir eine kleine Whisky-Destillerie, die direkt im Zentrum eine Produktion und einen schönen Besucherbereich betreibt. Wir sind in Kentucky, also passt Whisky bestens und wir arbeiten uns bis zur Verkostung vor. Bei mir ist das exzellente Angebot vergebens, da ich Whisky nicht mag. Aber Claudia und Judy wissen die Kostproben zu schätzen.

Verkostung

Verkostung

Destillerie

Destillerie

Abfüllung

Abfüllung

Konfektionierung

Konfektionierung

Website der Destillerie: http://www.corsairdistillery.com/home

Für Kenner bietet sich Kentucky wirklich an. http://www.bourboncountry.com/things-to-do/distillery-tours/index.aspx

Judy zeigt uns die Gegend. Ihr ehemaliges Haus. Und sie erzählt uns vom der Familie von Estell. Er hat acht Geschwister. Man war immer auf dem eigenen Land tätig, ging jagen und machte alle möglichen Arbeiten. Die Landwirtschaft lohnte sich immer weniger, so dass Estell heute in einer Fabrik arbeitet. So geht es vielen in der Region. Das Umland der Stadt ist zwar sehr ländlich, aber die meisten Leute pendeln nach Bowling Green, gehen irgendwelchen Jobs nach und bewirtschaften das Land im Nebenerwerb.

Die Beiden wohnen am Rande der Stadt, die gegenwärtig stark wächst. Es ist eine klassische US-Einfamilienhausgegend. Der Rasen ist korrekt geschnitten, es gibt keine Zäune und breite Auffahrten.

Judys Haus

Judys Haus

Später treffen wir Estell. Er ist sehr nett, zurückhaltend und macht nicht viele Worte.
Auf Bitten von Judy machen wir eine kleine Tour mit ihrem 327 Camaro, Baujahr 1968. Ein edles Auto. Da kann selbst unser Bus nicht mithalten, Baujahr 1981. Als ich ihr sage, dass wir 70 „Horsepower“ haben, denkt sie ich albere rum. Das ist für amerikanische Verhältnisse nichts. Hier zählt Hubraum und PS. Der Camaro hat 327 PS.

Judy & Estell und der 327 Camaro

Judy & Estell und der 327 Camaro

Später gehen wir essen und reden noch lange über die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Über Obama, die Gesundheitsreform, über die Tochter der beiden und vieles mehr.

Am Samstag, den 29.08.2015 fahren wir nach einem ausgedehnten Frühstück zum Mammoth Cave National Park. http://www.nps.gov/maca/index.htm
In der Region steht vor allem Kalkstein an, so gibt es viele Karsterscheinungen wie auch eine der weltgrößten Karsthöhlen. Wir machen eine Führung mit und haben das Vergnügen, dass Neil Young uns persönlich durch die Höhle führt. Er ist äußerst witzig und hat viel Spaß uns, bzw. der Gruppe, die Höhle zu zeigen, dabei gibt er diverse Schnurren zum Besten. Leider verstehen wir nicht alles. Aber seine Mimik ist komisch und gleicht das lückenhafte Verständnis etwas aus. Unser „Neil Young“ ist ein ehemaliger Lehrer, der dem echten Neil Young verblüffend ähnlich sieht. Er hat echte Entertaineerqualitäten. Das erleben wir noch oft in Nationalparks. Einige Ranger arbeiten saisonal und tun dies im Anschluss an eine andere Berufskarriere. Dies aber immer mit Begeisterung. Entsprechend begeistert sind oft auch die Besucher.

Neil Young, the ranger

Neil Young, the ranger

"Neil Young" is giving a speech

„Neil Young“ is giving a speech

Die Höhle selber ist gewaltig, aber eigentlich nicht sehr spektakulär.

 Mammoth Cave_1

Mammoth Cave_1

 Mammoth Cave_2

Mammoth Cave_2

Nach der Höhlenbesichtigung besuchen wir das Corvette Museum. In Bowling Green befindet sich die Produktion des Sportwagens. Später gehen wir noch in eine schöne Ausstellung mit amerikanischen Oldtimern. Hier stehen tolle Wagen. Gerne würden wir einen für Stefano mitnehmen. Einige stehen auch wirklich zum Verkauf. Sie wären auch gut für einen Gangsterfilm in den 50ern.

Oldtimer_1

Oldtimer_1

Oldtimer_1_cockpit

Oldtimer_1_cockpit

Oldtimer_2

Oldtimer_2

Oldtimer_2_cockpit

Oldtimer_2_cockpit

Am Sonntag fahren wir nochmal nach Nashville und treffen dort die Tochter von Judy. Am frühen Abend zeigt mir Estell auf meinen Wunsch die Fabrik in der er arbeitet. Aus Rundstahl, der in Coils angeliefert wird, entstehen an mehreren Linien Fahrzeugfedern für verschiedenste Autos. Der Stahl wird geschnitten, erhitzt und zu Federn gebogen, dann erfolgt die Beschichtung, die Qualitätsprüfung und die Einlagerung für den Versandt. Estell muss die verschiedenen Werkzeuge kontrollieren, warten und bei Havarien reparieren. Die Technologie ist ziemlich interessant. Die Arbeiter überwachen vor alle die Produktion und müssen bei Störungen eingreifen.

Biegen der Federn

Biegen der Federn

Es ist sehr heiß und laut in der Halle. Es hat mich an eine Betriebsbesichtigung während meiner Kfz-Schlosser-Lehre in den 80ern im Kabelwerk Oberspree erinnert. Aber vor allem an die Arbeit meiner Mutter, die an so einem Arbeitsplatz durch einen Unfall ums Leben kam. Auch bei Estell im Werk gab es einen tödlichen Arbeitsunfall. Er hat mir die Stelle gezeigt und den ungefähren Hergang erläutert. Es war ein beklemmendes Gefühl. Ich wünsche Estell, dass seine Suche nach einem neuen Job bald Erfolg hat.

Am Montag, den 31.08.2015 stehen wir früh auf. Estell ist schon auf dem Weg zur Arbeit. So verabschieden wir uns sehr herzlich bei Judy. Es war ein sehr schönes und interessantes Wochenende. Wir freuen uns mehr von ihrem Leben erfahren zu haben. Wir wollen das bei einem zukünftigen Besuch in Berlin weiter vertiefen.

Abschied von Judy

Abschied von Judy

Übrigens: Wer die Lederstrumpferzählungen kennt, wird in Kentucky Daniel Boone wieder treffen. Hier gibt es einen Daniel Boone National Forest. Mehr zu den Lederstrumpf Erzählingen und Daniel Boone hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Lederstrumpf#Hauptfiguren_und_ihre_Vorbilder

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One Response to Bericht: Kentucky inside – unser Besuch bei Judy in Bowling Green, Kentucky

  1. Judy says:

    Gert, you write a very nice story about your visit. I really enjoyed our time together. Looking forward to your South American tales.

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