Bericht: In Nicaragua

Es war schon dunkel, als wir über die Grenze fuhren. Deshalb sind wir nicht weit gefahren und trauten uns aber auch nicht wild zu campen. So sind wir im „Hotel Puma“ gelandet. Dieses und ein andere Hotel, was wir uns vorher ansahen, waren wirklich sehr „schlicht“. Eigentlich hätten wir auf deren Gelände auch im Bus schlafen können. Aber für eine Nacht geht das schon mal.
Am Morgen, Mittwoch, den 06.01.2016 sind wir dann in Richtung Leon gefahren. Die Landschaft ist sehr schön, in der Ferne stehen prächtige Stratovulkane. Man sieht kaum Wald, viel Weidewirtschaft und Zuckerrohr.


Wir sind dann am späten Vormittag in Leon angekommen und haben in der unmittelbaren Innenstadt geparkt. Die Straße war einspurig, hatte viele Läden und Fußgänger. Dann haben wir in einem netten französische. Café gefrühstückt, waren spaziertem, wollen in den Dom, der leider geschlossen waren, und haben noch etwas eingekauft.

Dann sind wir zum Bus zurück und musste feststellen, dass Claudias Rad gestohlen worden war. Und das mitten in dieser sehr belebten Straßen. Beide Schlösser lagen durchgeschnitten am Boden. Zwei Betrunkene, die man kaum verstand, wollten Geld dafür, dass sie sagten, was passiert sei. Claudia konnte sie kaum verstehen, so sehr lallten sie. Ich habe im Auto gewartet und Claudia ist zum Café, um sich nach der nächsten Polizeistation zu erkundigen.
Im Café war man wohl bei der Frage nach der Polizei sehr erschrocken, hat aber ansonsten kein Bedauern gezeigt. Dann sind wir zur Polizei, die nicht weit entfernt war und haben eine Anzeige gemacht. Die Polizisten waren sehr skeptisch und konnten sich kaum vorstellen, dass man ein so teures Fahrrad auf dem Gepäckträger mit rumfährt. Da hatten sie nicht ganz Unrecht, es war wohl ein Fehler. Und auch ein Fehler, zu vertrauen. Wir hätten einen bewachten Parkplatz nutzen sollen.
Nach ca. einer Stunde hatten wir das Papier und sind dann raus aus der Stadt, wir wollten weg. Wir sind ans Meer gefahren und haben bei einer Surfstation einen Platz für die Nacht gefunden. Dort hat uns Dave geöffnet, der die Surfstation betreiben. Das Grundstück liegt direkt an einem breiten Strand. Wir waren frustriert, der schöne Strand und die Abendstimmung spendete etwas Trost. So etwas gehört wohl bei einer solchen Reise dazu und Nicaragua gehört mit Abstand zu den ärmsten Ländern in Mittelamerika und wer so teure Räder für jeden sichtbar rumfährt, muss sich nicht wundern. Wir haben zum Glück eine gute Versicherung. So relativiert sich alles.

Dann sind wir über Managua nach Granada gefahren. In Managua wollten wir versuchen ein zweites Bügel-Schloss für das verbliebene Rad zu bekommen. Es gab keinen Laden, bzw. nur Schlösser, die nichts taugen. Wir wollten nicht ins Stadtzentrum fahren, zumal uns hinter der Tankstelle ein Polizist belästigt, der meinte ich sei ohne Gurt gefahren. Was nicht stimmte. Claudia war sehr verärgert. Weil ich nicht geduldig genug war, den Streit durchzustehen, habe ich ihm ca. 8 € gegeben. Was ein Fehler war. In Mexico hat uns eine Einheimische gebeten, nie auf die Korruption einzugehen, da es alle trifft, Einheimische und Touristen.
Wir fuhren weiter nach Granada, wo wir nochmal einen Sprachkurs belegen wollten. Die Zufahrt zum Hostel, welches wir auswählten, lag inmitten des täglichen Straßenmarktes. Zum Glück ist der Bus recht klein. Ich hatte Sorge, dass wir den Gemüsestand umfahren oder die Eier und das offendaliegende Fleisch im Straßenstaub landen. Wenden wäre nicht gegangen. Zum Glück haben wir den Weg vorher begangen, so dass wir das Risiko etwas einschätzen konnten. Für die Einfahrt in das Hostel musste dann ein Händler seinen Stand etwas wegrücken. Das war aber kein Problem, wir haben den sicheren Hafen erreicht. Der Markt, wie soll ich es sagen…, war extrem dreckig und eng. So stellen wir uns einen Markt im Mittelalter vor, von den chinesischen Produkten abgesehen. Sogar die vielen amerikanischen Touristen, die Nicaragua neuerdings so „awesome“ finden und nach Granada fahren, waren da nicht zu sehen. Wir hatten ihn täglich vor der Tür, man gewöhnt sich daran. Wir nahmen dieses Hostel, da wir dort auch den Bus sicher parken konnten.

In der Stadt haben wir einen dreitätigen Sprachkurs besucht. Mein Sprachlehrer hieß mit Vornamen Bismarck. Er wusste auch wer sich hinter dem Namen verbirgt. Nach den täglichen vier Stunden Kurs haben wir Hausarbeiten gemacht und uns in der Stadt umgesehen. Die Stadt ist sehr schön und stimmungsvoll. In den großen Häusern gibt es zauberhafte Innehöfe, die oft noch einen Garten haben.

Granada liegt direkt am Nicaragua See, welcher über den Rio San Juan de Nicaragua mit dem Karibischen Meer bzw. dem Atlantik verbunden ist. Die Landenge zum Pazifischen Ozean ist ca. 20 km breit, so dass die Nicaraguanische Regierung die alte Idee wieder aufnahmen, hier einen zweiten „Panama-Kanal“ zu bauen, der hohe Einnahmen für das Land bringen könnte. Man kann es dem Land kaum verdenken. Die Nicaraguaner könnten so ein Projekt jedoch kaum selber stemmen, so steht ein chinesischer Investor bereit. Alle Planungen sind wohl abgeschlossen, jedoch gibt es keine Informationen über den Stand und einen möglichen Baubeginn. Im Gegenteil, es gibt viele Proteste wegen der Zerstörung wertvoller Natur, es gibt Landenteignung und Vertreibungen von Indigenen. Es gibt Grenzstreitigkeiten mit Costa Rica, da der auszubauende Fluss die Grenze zum Nachbarland bildet. Eigentlich kann man nur hoffen, dass das Projekt nicht realisiert wird. Gleichwohl wird damit wieder eine Hoffnung auf ein besseres Leben bei dem einen oder anderen Nicaraguaner begraben.
Infos zur Geschichte und zum Stand des Projektes Nicaragua-Canal:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nicaragua-Kanal
Aktueller Artical der NYT zum Thema: http://www.nytimes.com/2016/04/04/world/americas/nicaragua-canal-chinese-tycoon.html?_r=0

Auf der Weiterfahrt an die Küsten haben wir noch den Calderasee Lago de Apoyo in Katharina besucht. Ein toller Kratersee mit Blick zum dahinterliegenden Nicaraguasee.


Die letzte Nacht in Nicaragua haben wir am Refugio Silvestre la Flor, einem Schildkrötenstrand am Pazifik, verbracht. Hier gibt es den tropischen Trockenwald. Während der Trockenzeit werfen die Bäume ihre Blätter ab. Manchmal wirkte es wie im mittel-europäischen Herbst. Nach der Registrierung bei der Rangerstation sind wir gegen 21:30 Uhr nochmal zum Strand gegangen und haben gesehen, wie eine Schildkröte gerade ein Loch für die Eiablage buddelte. Das Bild ist sehr schlecht, weil wir nicht näher heran wollten und auch nicht mit dem Blitz fotografiert haben. In der Schutzstation haben die Ranger Säcke mit Sand, in denen abgelegte Schuldkröteneier aufbewahrt werden. Auf Zetteln ist das Ablagedatum und das wahrscheinliche Schlupfdatum notiert. Wenn es soweit ist, werden die Säcke wieder zum Sand gebracht, damit die kleinen Schildkröten dort schlüpfen können und sicher ins Wasser gelangen. Leider waren gerade keine Schildkröten zum Schlüpfen bereit.

Dann sind wir auf dem „Coasthighway“, einer sehr schlechten Schotterstraße parallel zur Grenze nach Costa Rica weiter in Richtung Grenzübergang gefahren. Die Straße wurde immer schlechter, mit tiefen Spurrinnen und Löchern. Bei einer Militärkontrolle warnte uns der Soldat, dass die Straße noch enger und steiler werden würde. Das stimmte ziemlich genau. Bald ging der Weg nur noch sehr steil und holperig durch die wunderschöne Landschaft. Andere Fahrzeuge kamen uns schon lange nicht mehr entgegen. Claudia wollte wieder zurückfahren und einen weiten Umweg, über San Juan el Sur in Richtung Grenze fahren. Ich wollte das nicht und habe mich durchgesetzt. Natürlich reizte mich das Abenteuer einer schwierigen Geländefahrt. Ab einem bestimmten Punkt, merkte auch ich, dass es nun nicht mehr zurück geht und mit etwas Pech auch nicht mehr vorwärts. Ich konnte mir kaum vorstellen, was wir dann tun würden. Wir kamen an einer brenzligen Stelle steil hinab, durch einen trockenen Bach und dann sehr steil wieder hoch. Der Bus hat es geschafft und ich war erleichtert. Wären wir im Bachbett hängen geblieben, wären wir in keine Richtung wieder hoch gekommen. Dann wurde die Straße langsam besser. Militärkontrollen hielten uns wieder an, die die Daten der Papiere und die Autonummer notierten. Nach ca. 4 Stunden hatten wir es dann geschafft, wir waren am Grenzübergang. Eine mittlere Ehekrise lag hinter uns, die Wogen glätteten sich nur langsam. Die erhoffte Zeiteinsparung, eines meiner Argumente, gab es nicht. Aber die Landschaft war wunderbar und wir haben mal wieder erlebt, was der Bus so alles kann…

An der Grenze brauchten wir dann auch noch mal 3 Stunden bis wir von Nicaragua nach Costa Rica gelangt waren. Es war schon sehr spät, weit nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir dann an der
Finca Canas Castilla eines Schweizer Paares an. Ein Dusche, einen ruhigen, sicheren Stellplatz und etwas Ruhe, das wollten wir jetzt.

Nun heißt es „Pura vida“ in Costa Rica

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