Bericht: In Costa Rica – el país Pura Vida

Leider klappte das mit der Ruhe nicht. Costa Rica, auf das wir uns schon sehr freuten, ist für seine hohe Biodiversität bekannt. So ist es wirklich und es hat seinen Preis. Ab morgens um 4:35 Uhr kräht der Hahn, dann folgen die Brüllaffen, die letztlich den Schäferhund der Finka zum Bellen animierten. Es war furchtbar!
Wir waren auf der recht großen Finka spazieren, haben eine Bootstour auf dem See der Finka gemacht. Dabei konnten wir immer wieder Affen beobachten, die recht munter durch den Blätterwald sprangen. Später plauderten wir mit netten Leipzigern, die in einem tollen Unimog reisen.
Auf dem Gelände haben wir auch das erste Faultier gesehen. Wir kennen so etwas durchaus auch aus Berlin. Aber hier ist es schon etwas anderes…


Auf der Finca Canas Castilla trafen wir auch John Schmidt. Ein Deutscher, der via Canada, vor vielen Jahren nach Costa Rica kam. Er kam gerade aus Canada zurück, wo er seinen Vater beerdigt hatte. Als Erbstück brachte er einen schönen alten Mercedes nach Costa Rica. Wir plauderten lange miteinander. Er erzählte uns vom Land und seinem Leben.
Am nächsten Morgen erwarteten wir mit Bangen den Hahn, der auch pünktlich ab 04:35 Uhr seinen Weckruf sandte. Zum Glück kamen später keine Brüllaffen dazu.
Dann verließen wir die Finka und haben in der Stadt Liberia eingekauft. Wie schon zuvor an der Tankstelle, gab es Schwierigkeiten mit meiner Kreditkarte. Es stellte sich raus, dass die Karte gesperrt worden war. Zum selben Zeitpunkt wurde auch eine weitere Kreditkarte von der Sparkasse, bzw. deren Dienstleister Worldline gesperrt. Volker sandte mir dann einen Artikel der FAZ, in dem stand, dass Millionen von Datensätze bei Wordline gestohlen wurden. Mit beiden Karten gab es illegale Abbuchungen, je einmal aus Moskau und den USA. Sehr ärgerlich. Ein Problem, was sich nicht einfach mit einem Anruf und der Zusendung einer neuen Karte klären lässt.
Aber erstmal sind wir zum Rincon De Vieja National Park gefahren. Das letzte Stück der Straße, bzw. des Weges war abenteuerlich, ging aber letztlich doch. Die Nacht standen wir in netter Gesellschaft von zwei Pferden unter der Flagge von Costa Ricas.

Das Morgenbad nahmen wir an heißen Quellen, die wir für uns allein hatten. Auf dem Weg haben wir Nasenbären gesehen, die wenig scheu sind. Hier sahen wir auch den ersten freilebenden Tukan.

Costa Rica fängt schon gut an. Die nächste Station sollte der Nationalpark Monte Verde bei Santa Elena sein, den wir nach heftiger Berg- und Talfahrt erreichten. Claudia mussten oft im ersten Gang steilste Straßen hochfahren und wieder hinab.
In Santa Elena haben wir einen Orchideen- und eine Mariposafarm (Schmetterlingsfarm) besucht. Eine sehr engagierte Führerin hat uns viel erzählt. Unter anderem von einer Wespe, die eine Tarantella betäubt, in ihr Nest schleppt und dann die Eier ihres Nachwuchses im betäubten Leib der Tarantella ablegt und großzieht. Die Wespe ist um einiges kleiner als die Tarantella. So geht das in der Natur.


Die Nacht haben wir vor dem Eingang zum Nationalpark verbracht, wo wir gleich noch einen geführten Nachtspaziergang gemacht haben. Wir haben eine Tarantella gesehen, kleine Frösche, schlafende Vögel und fluoreszierende Pilze. Sehr praktisch, so etwas wünschte ich mir in Deutschland beim Pilze sammeln.

Das nächste Ziele war die Hauptstadt Costa Ricas: San Jose. Wir wollten hier ein neues Fahrrad für Claudia kaufen. Jedoch war schnell klar, dass der MTB-Laden am Samstag nur bis 18:00 Uhr auf hat und am Sonntag geschlossen. Wir mussten uns ein Quartier vor San Jose suchen und landeten im Resort Baron, was wirklich sehr schön war. Wir haben dort dann noch den Sonntag verbracht und eine wenig den Komfort genossen.
Am Montag haben wir in San Jose ein gutes Fahrrad bekommen. Später blieben wir mit leerem Tank auf der Stadtautobahn stehen. Sehr peinlich. Da die Tankanzeige kurz vor der Abreise kaputt ging, tanken wir rechtzeitig „nach gefahrenen Kilometern“. Eigentlich geht das, aber die steilen Straßen der vergangenen Strecke hat das „System“ etwas durcheinander gebracht. Wir haben den Tank aus den Kanistern wieder aufgefüllt, dann war alles ok.
Am Nachmittag fuhren wir nach Turialba, wo wir eine Rafting-Tour auf dem Pacuare River machen wollen. Zusammen mit einem Amerikaner und einem Guide sind wir den Pacuare River hinunter gefahren. Eine tolle Tour. Mit viel Geschick und Erfahrung hat uns unser Guide durch die Stromschnellen manövriert. Wenn es steil hinunter geht und man muss dann auf Kommando schnell paddeln, um die nächste Wendung herum um große Felsen zu bekommen, gibt es einen ordentlichen Adrenalinschub. Die Anstrengung ist kaum zu merken, die Wellen spritzen hoch, der einzige Halt ist an den Füßen im Boot und der Gegendruck des Wassers für das Paddel. Dann, an einer ruhigen Stelle, spürt man die Anstrengung und genießt das sanfte Dahingleiten auf dem Fluss in dieser wilden Landschaft. Auf dem Fluss sehen wir wenig andere Schlauchboote und vor allem keine Siedlungen am Ufer. Auf einer Flussseite ist ein Schutzgebiet, in dem Indigene noch ihrer traditionellen Lebensweise nachgehen. Das Betreten ist strengstens verboten.

An dem Abend sind wir noch weitergefahren und sind auf über 3000 Meter Höhe bis zum Quetzal Nationalpark gekommen. Diese Nacht war kalt wie schon sehr lange nicht mehr. Am frühen Morgen haben wir an einer Quetzal-Tour teilgenommen. Der Quetzal ist der Vogel der Mayas, sein langer Schweif war den Königen vorbehalten. Bei der sehr behutsamen Führung durch den Wald haben wir lange gesucht und dann doch einen männlichen und einen weiblichen Quetzal gesehen.

Der zertifizierte Führer war studierter Biologe und wusste auch vieles andere zu erzählen. Man legt im Land Wert auf eine hohe Qualität im Tourismus, es ist auch nicht gerade billig. Jedoch sieht man auch, dass die hohen Einnahmen im Land gut angelegt werden. Es macht einen gänzlich anderen Eindruck, als die Länder, die wir zuvor bereisten. Es liegt kein Müll mehr auf den Straßen, die Infrastruktur ist viel besser, Armut und Elend ist eigentlich nicht zu entdecken, die Flüsse sind sauber etc. Die Geschichte des Landes ist sehr interessant. Zum Beispiel hat ein Präsident in den 1950er-Jahren die Armee abgeschafft. Mit den freien Mitteln sollten Bildungs- und Gesundheitsprogramme durchgeführt werden. Die Hauptbegründung war jedoch, dass die Armee eine ernste Bedrohung für die Demokratie darstelle. Eine sehr mutige Entscheidung zur damaligen Zeit. Und eine sehr exakte Einschätzung der Realität. Die Geschichte aller Nachbarländer bestätigt diese Einschätzung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Costa_Rica
Auf der Weiterfahrt in Richtung Panama trafen wir eine nette Familie, die uns zu sich auf das Grundstück einlud. Der Mann sagte, seine Frau würde diesen (unseren) Bus lieben, wir müssen unbedingt vorbeikommen. Also gingen wir zu ihnen hin. Sie waren sehr nett. Sie bauen gerade einen Bus aus, um Amerika zu bereisen, das sei ihr großer Traum. Sie erzählten auch, dass die gesamte Gemeinde ihrer Kirche (ich weiß nun leider nicht mehr welche) am Sonntag zu ihnen ins Haus kommt, um den Gottesdienst zu feiern und danach sitzt man noch beieinander. So geht es jeden Sonntag reihum in der Gemeinde. Wir werden herzlich verabschiedet und freuen uns über diese Begegnung.
Dann sind wir in Richtung Grenzübergang nach Panama weitergefahren. Auf der Strecke trafen wir zufällig wieder John Schmidt. Eine schöne Überraschung. Wir haben ein Schwätzchen gehalten und ihm zum Abschied alles Gute gewünscht. Nun schafften wir es doch nicht mehr über die Grenze. So fahren wir zu einem Schweitzer, auf dessem Grundstück ein Campingplatz ist, wo wir campten.
Am Morgen beim Frühstück plaudern wir noch lange mit ihm und sehen viele Vögel, die ebenfalls bei ihm frühstücken.

Mit einem freundlichem „Pura Vida“ haben wir uns vom Eidgenossen, den Tieren und Costa Rica verabschiedet und sind dann endlich zur Grenze gefahren. Es war ca. gegen 13:00 Uhr, als wir dort ankamen. Die Erledigung aller Formalitäten war sehr langwierig. Als nach 3 Stunden fast alles fertig war gab es einen Stromausfall und wir mussten alles nochmal machen. Nach ca. 4 Stunden konnten wir endlich weiter. Das Problem ist immer die zolltechnische Bearbeitung des Autos.
An dem Abend sind wir noch bis zu einem Hotel mit dem schönen Namen Berlin gefahren, welches von zwei Deutschen betrieben wird.

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