Bericht: Im Süden Mexicos

Obwohl wir nun schon in Argentinen sind und uns hier wärmer anziehen müssen, wollem wir doch mit den Berichten fortfahren…

Am Montag, den 23.11.2015 fahren wir von Teotihuacan nach Südosten in Richtung Golfküste. Es geht nach Coatepec über Xapala. Die Fahrt über das Hochland ist zauberhaft. Im Süden sind große Vulkane zu sehen. Auf der Hochebene ist es sonnig und trocken. Im Osten quellen dicke Wolken, die vom Küstengebirge her auf die Hochfläche drängen, herauf. Die Straße führt an großen Lavafeldern mit Yuccapalmen vorbei.

Dann verschwinden wir im Nebel des Küstengebirges. Die Straße geht steil hinab. Wir kommen nach Coatepec, unsere erste Kaffeeregion. Eine schöne Stadt lädt uns zum Bummeln ein. Es gibt nette Cafés, viele regionale Köstlichkeiten und eine schöne Plaza.
Unser App iOverlander empfiehlt uns für die Nacht einen Platz im örtlichen Aschram. Wir dürfen dort für einen geringen Obolus auf dem Parkplatz stehen und im Bus übernachten. In einem nahen Gebäude können wir die Toilette und die Dusche nutzen. In der Nacht gibt es immer wieder kräftige tropische Platzregen, die uns jedoch nicht stören.
Am Morgen machen wir einen schönen Spaziergang durch den Park des Aschrams, der Tag fängt sehr gut an.


Wir besuchen ein lokales Kaffeemuseum. Neben der leckeren Verkostung erfahren wir viel über den Anbau und die Verarbeitung des Kaffees. Wir lernen die Kaffeepflanze kennen, die wir von nun ab immer wieder sehen werden auf unsere Reise. Sie ist eher ein Strauch bzw. ein kleines Bäumchen, ca. 2 Meter groß. Sie steht eigentlich immer im Schatten größerer Bäume, manchmal auch zusammen mit Bananenpalmen. Die Blätter haben ein schönes kräftiges Grün und sind markant gezackt. Die Bohnen sind grün, wenn sie sich rot färben werden sie geerntet.

Später sind wir dann zum Anthropologischen Museum nach Xapala gefahren. Dort gibt es viele Exponate zu den Olmeken und andere Kulturen der Ostküste von Mexiko. Viele Fundstücke stammen von größeren Ausgrabungen in der Region. Das Museum ist das bedeutendste nach dem in Mexico City. Es liegt in einem wunderschönen Garten, der Platz für zukünftig sicherlich nötige bauliche Erweiterungen bietet.

Wir verlassen das Gelände nach mehreren Stunden und kommen zum Bus, der an einer stark befahrenen Ortstraße steht.
Die Fahrertür ist offen! Jemand hat den Bus aufgebrochen. Es fehlten Claudias iPad, ihre Laufschuhe, die Sonnenbrille, Sandalen und eine Tasche mit Ladekabeln und einem Adapter. Alles war vom Fahrersitz aus zu greifen. Unsere verschließbare Kiste war dummerweise nicht verschlossen. So hatten die Täter leichtes Spiel. Wie dumm von uns.
Ein Blick auf die Straße zeigt, dass sie zwar stark befahren ist, aber es gibt wenig Fußgänger. Also ein schlechter Platz, um den Bus abzustellen. In der Nähe des Museums hätte es jedoch auch kaum eine Alternative gegeben
Wir haben uns dann erstmal ein Hotel für die Nacht gesucht und bei der lokalen Polizei erkundigt, wo wir eine Anzeige machen können. Man hat uns eine Adresse gegeben, wo wir am selben Abend noch hingefahren sind und in ca. einer Stunde alles erledigen konnten. Wir haben ein Protokoll der Anzeige bekommen. Die Anzeigen ging an die deutscher Versicherung, die den Schaden anstandslos beglichen hat. In der Nähe des Hotels war ein Schlüsseldienst, der versuchen wollte, bis zu nächsten Tag ein neues Schloss, bzw. einen Schließzylinder zu besorgen. Leider endete der Tag nicht so gut, wie er angefangen hatte. Wir waren ziemlich frustriert und mißtraurisch. Die bisherige Leichtigkeit des Reisens war dahin.

das zerstörte Türschloss

das zerstörte Türschloss

Am nächsten Vormittag waren wir gegen 11:00 Uhr mit dem Herrn vom Schlüsseldienst verabredet. Er kam jedoch nicht. Als ich hinging baute er seinen Laden gerade auf und hatte wohl nicht die Absicht seine Verabredung einzuhalten. Er hatte kein neues Schloss bekommen und so sind wir ohne funktionierendes Schloss in Richtung Vercruz nach Südosten gefahren. Die Strecke zog sind hin. Hinter Veracruz ging es über eine schöne Nehrung, dann kamen wir in eine tolle tropische Vulkanlandschaft. Es ging auf schmalen Straßen bergauf und bergab. Die Landschaft und die Pflanzen zeigen sich in einem kräftigen Grün.
In der sehr schönen Stadt Santiago de Tuxtla steht auf der Plaza der größte Olmekenkopf, den wir gesehen haben. Und irgendwie haben wir den Eindruck, dass die Menschen in der Region alle direkte Nachfahren der Olmeken sind, zumindest sehen sie so aus.

Olmekenkopf

Olmekenkopf


Eigentlich wollten wir nach dem Stadtbummel noch weiterfahren. Da es aber schon Nacht wird und wir Fahrten in der Dunkelheit zu vermeiden suchen, bleiben wir im Ort. Das Maison de Santiago ist ein schönes gediegenes altes Hotel, in einer kleinen Straßenküche gibt es ein leckeres Essen, so genießen wir noch etwas diesen schönen Ort, die Stimmung hellt sich etwas auf.

Am Donnerstag, den 26.11.2015 beginnen wir den Tag mit einer kleinen Radtour auf den Hausberg der Stadt. Es ist warm und feucht, immer wieder nieselt es, der Weg führt steil nach oben.
Bei der Abfahrt müssen wir aufpassen, die Räder rutschen im Schlamm. Aber wir kommen sicher unten an.

Dann ging es weiter nach an Andres Tuxtla. Dort haben wir bei einem VW Händler wegen der Schlossreparatur nachgefragt. Das Schloss bzw. der Schließzylinder waren ja immer noch kaputt.
Die Dame konnte erwartungsgemäß nicht helfen, das Auto ist zu alt, dafür hat er keine Ersatzteile, so steht es zmindest im Computer. Wir wollten aber eigentlich eine Empfehlung, wer im Ort vielleicht helfen kann. Diese kam dann auch.
Die Dame verwies an eine Werkstatt gegenüber. Die konnte auch nicht helfen. Jedoch wusste der gerade anwesende Kunden Rat und telefonierte mit jemandem, der uns helfen könnte. Wir fuhren dann mit einem Begleiter, dem Angestellten des Kunden, zu einer kleinen Werkstatt. Eigentlich war es eher ein Büro, wo ein älterer Mann arbeitet. Er nahm sich sofort unser an und reparierte den zerstörten Schließzylinder, so dass wir ihn wieder benutzen können. Er hat die Stifte und Federn ausgewechselt und an den Schlüssel angepasst. Nach ca. einer Stunde war alles wieder ok. Das Schloss schließt wieder. Er hat sich dann auch noch stellvertretend für seine Landsleute entschuldigt, die bei uns eingebrochen sind und wollte 100 Peso von uns haben, das sind ca. 6 €. Wir haben ihm gerne mehr gegeben.

unser Schlossermeister

unser Schlossermeister

Dann ging es weiter in die Stadt Catemaco am Catemaco See. Die Stadt machte keinen guten Eindruck. Aber wir wollen ja eigentlich zum Naturreservat am See und von dort zum Jungle Camp von Antonio. Hier wollen wir etwas bleiben.

Claudia unterm Regenschirm

Claudia unterm Regenschirm


Am nächsten Morgen bade ich im See, was ich immer tue, wenn es nur irgendwie möglich ist. Später lässt mich Antonio wissen, dass es im See Krokodile gibt. Das Jungle Camp liegt wirklich im Dschungel. Man hört viele verschiedene Vögel, die Pflanzen sind üppig, neben unserem Platz schießt ein riesiger Bambus aus der Wiese. Hier haben wir den ersten richtigen Eindruck von den Tropen, an deren nördlichen Ende wir gerade sind. Hier sehen wir im Busch auch die ersten Affen und hören die Brüllaffen. Diese markieren mit fürchterlichem Gebrüll ihr Revier, wenn sie röcheln, was sie oft tun, klingt es als wären die Orks im Anmarsch. Sehr schauerlich. Später im Belize Zoo werden wir sie noch genauer sehen. Faszinierend sind auch die riesigen Bäume mit ihren Brettwurzeln. Man kann teilweise durch sie hindurchgehen. Im benachbarten Naturreservat sehen wir Krokodile, Aras und Leguane.

Am Nachmittag machen wir eine Paddeltour auf Catemaco See. Wohl wissen, dass es im Wasser Krokodile gibt, aber das kennen wir ja schon.

Dann sind wir noch für einen Tag ans Meer gefahren. Ein abenteuerlicher Weg führte ans Ufer, zum Standort einer verlassenen Gaststätte. Ein schöner Platz. Später kam noch ein Bauer und hat ein paar Pesos für den vermeintliche Besitzer des Platzes eingetrieben.

Nach dem morgendlichem Laufen am Strand fuhren wir in Richtung Hermosa, um von dort weiter nach Palenque im mexikanischen Bundesstaat Chiapas zu gelangen. Eine lange Strecke. Unsere europäischen Fahrzeiten passen nicht zu den Distanzen hier. Wir brauchen auch immer viel länger als das Navi ermittelt. Im Schnitt über die ganze bisherige Reise sind wir ca. 50 km/h schnell gefahren. Das wird sicher in den Anden Südamerikas nochmal weniger werden.
Im Palenque kommen wir am Abend an und finden einen netten Campingplatz, wo wir die Nacht verbringen.
Nahe der modernen Stadt Palenque befinden sich die Ruinen einer ehemaligen Mayametropole. Hier treffen wir zum ersten Mal auf die Spuren der Mayas. Gleich am frühen Morgen besuchen wir die Ausgrabung. Die alte Mayastadt liegt auf Terrasse an einem angrenzenden Hochland. Viele kleine Bäche fließen durch das Gelände, ein guter Standort um eine Stadt zu gründen. Wir erfahren u.a., dass bisher erst circa 5 Prozent der Bauten freigelegt wurden. Der Rest ist noch vom Dschungel überwachsen. Und doch ist das, was man bereits erkunden kann gewaltig.
Besonders interessant ist, dass die Siedlung, die ca. ab dem vierten Jahrhundert n. Chr. aufgebaut wurde, ca. ab 814 n.Chr. wieder verlassen wurde. Dies gilt auch für weitere Mayastädte, die wir auch noch sehen werden. Die Maya verschwanden innerhalb von nur 100 Jahren. Aktuelle Forschungen zeigen, dass Trockenphasen ihre ausgeklügelten Wasserrückhaltesystem zerstörten, dazu kam eine übermäßige Abholzung, so dass in der Folge die Bodenerosion den ohnehin schon mageren Urwaldboden so auslaugte, dass nicht mehr ausreichend Nahrung zur Verfügung stand. Mehr dazu:
http://www.spektrum.de/news/warum-verschwanden-die-maya/340994
http://www.br.de/themen/wissen/maya-untergang-klimawandel-100.html
http://www.planet-wissen.de/kultur/voelker/maya_ein_ewiges_raetsel/pwwbmayaeinewigesraetsel100.html

Nach dem Besuch der Ausgrabung treffen wir auf dem Campingplatz Phillip und Tanya, die wir bereits auf der Baja California in Bufadora getroffen haben. Wir verbringen einen schönen Abend miteinander. Am nächsten Morgens verlassen wir nach einigen Besorgungen Palenque und wollen weiter nach Yucatan.
Nach ca. 30 km hören wir plötzlich ein Geräusch und dann ein dauerndes Klackern. Was ist das? Bisher machte der Bus keine Probleme, er lief immer zuverlässig. Wir halten an und müssen feststellen, dass die linke hintere Feder gebrochen ist. Die schlechten Straßen und das 34 Jahre alte Material fordern ihren Tribut. Wir müssen nun sehen, wo wir neue Federn herbekommen. Erstmal sind wir weiter bis Campeche gefahren.
Am Morgen habe ich das Bruchstück aus der Feder geholt, so dass es nicht mehr klappert. Aber das ist nur Kosmetik. Wir brauchen zwei neue Federn. Dazu sind wir in die sehr schöne Altstadt von Campeche gefahren und haben dort in der Touristeninformation nach einer Werkstadt gefragt. Ein Mann der „wie zufällig“ bei der Touristeninfo stand hat uns zur Werkstatt gebracht und gleich noch einen Restaurantgutschein mitgegeben. Die Kollegen haben sich dem Problem gleich angenommen und die Feder ausgebaut. Der Stoßdämpfer an der defekten Feder war ebenfalls hin. Die Chefin der Werkstatt hat eine Weile telefoniert, jedoch keine Feder bekommen. Dann sind wir mit der defekten Feder und einem Mitarbeiter im Auto von Laden zu Laden gefahren, um eine Feder zu kaufen. Leider ohne Erfolg. Sie haben die Stoßdämpfer gewechselt, noch einen Ölwechsel gemacht, dann sind wir am Nachmittag los gefahren in Richtung Merida. Die Kollegen der Werkstadt meinten, dass wir da eher Erfolg haben werden, da die Stadt größer ist.

In der Werkstatt in  Campeche.

In der Werkstatt in Campeche.


Auf der Ausfallstraße passieren wir an eine lange Reihe von Restaurants. Vor jedem standen Männer, die wie wild nach uns als Kunden winkten. Wir erinnerten uns an den Gutschein und versuchen, bis zu dem Restaurant vorzudringen, was nicht so einfach war, da uns die Werber auf der Straße, fasst in „Ihr“ Restaurant gezerrt hätten. Mit freundlicher Ablehnung und etwas Beharrlichkeit ging es jedoch. Schließlich landen wir in einem netten Fischrestaurant, derweil jemand draußen den Bus sehr ordentlich putzt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Campeche_%28Stadt%29

Gegen Abend erreichen wir Merida, die Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán. Auf Yucatán wollten wir eigentlich den Strand, die Cenoten und weitere Mayastädte erleben. Einstweilen müssen wir uns jedoch in Merida einmieten und unser Problem lösen.
Unser Hotel in Merida wird von einem verschrobenen älteren Engländer geführt, der auch wirklich dem typisch britischen Humor frönte. Claudia hat viel Spaß dabei.
Auf Empfehlung unseres Hoteliers, besuchen wir eine Werkstatt vor Ort. Dort sagte der Chef, dass es in der Nähe eine Werkstatt gibt, die auf solche Dinge spezialisiert sei, dort sollten wir hin.
Dort angekommen, sagte uns der Inhaber, dass man es versuchen werde, man würde sich am nächsten Vormittag melden.
Abends sind wir in die Stadt gegangen. Die sich als viel schöner rausstellte, als am ersten Abend gedacht. Es gibt schöne Plätze, tolle Alleen, sehr edle Restaurants und ein tolles Flair in den nächtlichen Straßen des Zentrums.
https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A9rida_%28Mexiko%29

Am nächsten Vormittag gehe ich in die Werkstadt. Erst habe ich den Bus nicht gesehen. Dann jedoch etwas abseits aufgebockt gefunden.
Ein älterer, sehr schmaler und kleiner Mann, arbeitet schweigend und konzentriert am Bus. Man sagte mir, bis Samstag 14.00 Uhr ist Arbeitszeit, dann will man es geschafft haben. Die Werkstatt machte auf mich einen etwas traurigen Eindruck, es war dreckig, überall lagen alte Teile rum, es gab wenige Gruben und keine Hebebühnen. Die meisten Arbeiten fanden am Boden statt, also sehr unbequem für die Arbeiter. So war es in fast allen Werkstätten, die wir auf der Reise sahen.
Abends waren wir bei einem Ballspiel auf der zentralen Plaza in Merida, gegenüber der „Cathedral de San Ildefonso“. Das war sehr beeindruckend. Der Platz war mit Fackeln beleuchtet. Die Spielzüge wurden in Spanisch, Englisch und in Nahuatl (Sprache der Azteken, die immer noch von den Indigenen gesprochen wird) erklärt und kommentiert. Das Spiel ist sehr anspruchsvoll, da der relativ schwere und harte Ball mit dem Körper, jedoch nicht mit den Füssen, geschlagen werden muss und dabei nicht den Boden berühren darf. D.h. die Spieler müssen sich auch hinwerfen, um den Ball z.B. mit der Schulter zurück zu spielen. Die Zuschauer waren vor allem Touristen, die gebannt dem Spiel folgten. Zum Ende schien es einen Gleichstand zu geben. In einer Art Verlängerung wurde mit einem brennenden Ball gespielt, den die Spieler wiederrum mit ihren Körpern in der Luft hielten. Vor und nach dem Spiel wurden indianische Gebete gesprochen. Im Gegensatz zur früher wohl verbreiteten Praxis durften die Verlierer des Spiels den Platz lebendig verlassen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mesoamerikanisches_Ballspiel

Am nächsten Tag, Samstag, den 05.12.2015 bin ich wieder mit dem Rad zur Werkstatt gefahren. Ich habe zugesehen und versucht, etwas zu helfen. Da keine neuen passenden Federn zu bekommen waren, sind sie folgendermaßen vorgegangen:
Sie haben andere Federn, ähnlicher Größe, sehr genau angepasst, neue Fassungen konstruiert und eingeschweißt. Die Federn wurden gekürzt, geschmiedet, entgratet, gestrichen und dann montiert. Das Kürzen und Schmieden ging über mehrere Arbeitsschritte. Es wurde immer wieder gemessen und geprüft, bis die Federn wirklich passten. Eine tolle Arbeit, die sehr fachkundig ausgeführt wurde. Punkt 14:15 Uhr war es fertig und es fuhr sich gut. Ich vermute, die Federn halten mindestens weitere 35 Jahre. Mal sehen, was der TÜV zu den kleinen Änderungen sagt.

Am Abend haben wir noch einen schönen Stadtspaziergang auf der großen Avenue Paseo de Montejo gemacht. Die Stadt ist im Sisal-Boom (Sisal wird aus den Fasern einer Agavenart gewonnen) ab 1875 reich geworden, so dass die Sisal-Barone sich nach dem Vorbild von Mexico City eine große Avenue bauten. An der schönen breiten Promenade mit begrüntem Mittelstreifen stehen prächtige Paläste. An Sonntagen ist die Straße für Radler, Skater und Fußgänger gesperrt.

Am nächsten Morgen verlassen wir Merida und fahren nach Cuzame zu den Cenoten. Yucatan ist eine flache Karstlandschaft, aus löslichen Gesteinen, wie u.a. Kalkstein. Das Regenwasser löst die Gesteine schafft riesige unterirdische Wassersysteme. Die Cenoten sind Kalksteinlöcher. Bei einigen entstehen durch den Einsturz der Höhlendecke schöne große „Badewannen“. Andere sind durch schmal Gänge und Leitern erreichbar. Ein Führer zeigt uns 3 Cenoten, die teilweise auf dem Gelände einer ehemaligen Hazienda zum Sisalanbau liegen.
Die Cenoten auf dem Gelände waren eher klein, aber doch konnte man in ihnen gut baden. Dann hat er uns noch eine weitere Cenote gezeigt, die eine Art unterirdische Badeanstalt war. Ein Pächter bot eine Bar an und verkaufte die Tickets. Über Leitern ging es hinab, unten gibt es kein Tageslicht nur künstliche Beleuchtung. Die Cenoten haben sehr sauberes Süßwasser, allerdings ist es ziemlich kalt. Die Cenoten sind sehr bedeutende Süßwasserspeicher und hatten für die Mayas neben der Wasserversorgung auch eine rituelle Bedeutung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Cenote

Von Cuzame fahren wir nach nach Chichén Itzá und besuchen eine der bedeutendsten Ruinenstätten auf Yucatan aus der späten Maya-Zeit.
Das Gelände ist riesig. In der Mittagshitze sind wir mit vielen anderen Touristen unterwegs. Es werden jede Menge Souvenirs angeboten, Reisegruppen lauschen den Berichten ihrer Führer, wir versuchen einen gute Route durch die Stadt zu finden und staunen über die weitläufige Anlage und die Vielfalt der Gebäude. Es gibt einen großen Ballspielplatz mit Tribünen. Im Zentrum des Geländes steht die sehr große Kukulcán-Pyramide (Castillo). Dieses 30 Meter hohe und sehr gut erhaltene Bauwerk kann man leider nicht besteigen. Allerdings von unten bestaunen. Eine große Cenote, in der bei Forschungsarbeiten auch Skelette gefunden wurde, diente ebenfalls rituellen Zwecken. Es gibt viele weitere Tempel, Wohnbauten, Säulengänge, Gebäude mit Grabstätten und vieles mehr. Man kann sich hier gut und gerne einen Tag und mehr umschauen. Wir sind nicht ganz so enthusiastisch und verlassen das Gelände am Nachmittag wieder. Wir brauchen eine Erfrischung und ein Essen. Beides finden wir in der Nähe, eine Cenote mit Restaurant erfüllt alle unsere Wünsche.



Die Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz eines Hotels bei Valladolit. Hier können wir für einen kleinen Obolus die Toiletten und die Duschen nutzen, auch steht eine unterirdische Cenote für das morgendliche Bad zur Verfügung. Den Abend verbringen wir mit netten Eidgenossen. Friederike und Christoph sind mit ihrem Santana in Südamerika gestartet, um nun weiter in die USA zu fahren und dort ihre Reise zu beenden. Sie haben viel erlebt und wir lauschen den Geschichten und freuen uns auf das Kommende.
Friederike und Christoph mit ihrem Santana

Friederike und Christoph mit ihrem Santana

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Tulum und dann weiter nach Playa del Carmen. Nun sind wir an der berühmten Küste Yucatans. Durch den sehr hellen Kalkstein ist der Sand nahezu weiß und das Wasser darüber wirkt türkisfarben. Dazu wiegen sich Kokospalmen sanft im Wind. Das ist der Traum vom Karibikstrand. Wir genießen ihn mehrere Tage, dann spült der Seewind einen drei Meter breiten Streifen Seetang an den Strand, der den schönen Eindruck trübt.

In Tulum treffen wir auch Stephan und Kristin wieder. Wir verbringen noch zwei schöne Abende miteinander, dann müssen die beiden weiter.
Wir wollen uns noch etwas umschauen, bei einen Mechaniker in Playa del Carmen vorbeifahren und wir überlegen, vielleicht einen Tauchkurs zu machen. Irgendwie sind wir müde vom Reisen, es ist etwas die „Luft raus“. Ein Tauchkurs wäre vielleicht gerade richtig, um wieder etwas Schwung zu bekommen und zu schauen, was sich wohl unter der Wasseroberfläche verbirgt. Auch war es schon immer mal eine Überlegung einen Tauchschein zu machen. Claudia hat schon mal im Sportstudium angefangen und ich habe mit Volker in der Familie einen sehr aktiven Taucher und bewundere immer wieder die tollen Bilder und Berichte von der Unterwasserwelt. Auch kann ich mich gut an die Filme von Jacques-Yves Cousteau erinnern, die wir in der Kindheit mit Begeisterung sahen.
Also fahren wir mit den Rädern nach Tulum und schauen im Tauchladen Scubatulum.mx vorbei und können uns schnell entschieden. Der Inhaber und Tauchlehrer ist Paolo aus der italienischsprachigen Schweiz, das weckt schon mal Sympathie. Am nächsten Tag soll es losgehen.
Am nächsten Nachmittag haben wir das erste Padi Schulungs-Video gesehen. Dazu gibt es für den Theorieteil ein dickes Buch, das wir durchstudieren. Am Ende, nach vier Tagen, soll es eine theoretische und eine praktische Prüfung geben. Aber neben aller Theorie gibt es viele praktische Übungen im Wasser und einige Tauchgänge. Und diese finden in einer Cenote statt. Sie ist ca. 6-8 Meter tief, offen und man kann einen Weg entlang der Mangroven tauchen. Hier lernen wir mit der Tauchausrüstung umzugehen und machen verschiedenen Übungen. So unter anderem das Abnehmen, Ausblasen und wieder Aufsetzen der Maske unter Wasser. Der Austausch der Luftschläuche unter Wasser, das Austarieren, den Druckausgleich usw.
Wir machen schon erste kleine Erkundungen unter Wasser. In der Cenote ist das Wasser ruhig und sehr klar. Selbst bei 8 Metern Tiefe können wir auf dem Grund alles erkennen.

Am Montag, den 14.12.2015 sollen wir den ersten Tauchgang im Meer machen. Da der Wind zu stark ist tauchen wir wieder in der Cenote. Am Nachmittag müssen wir weiter das Buch durchstudieren. Am Dienstag ist die Prüfung und viele Seiten müssen noch gelesen werden. Jetzt wird es ernst.
Am Dienstag, den 15.12.2015 machen wir dann zwei Tauchgänge im Meer. Die See ist immer noch aufgewühlt und sehr trüb, wir sehen kaum etwas.
Paolo zeigt uns bestimmte Stellen, wo üblicherweise Tiere sind, jedoch haben sich diese heute für einen anderen Platz entschieden.
Beim zweiten Tauchgang, der die praktische Prüfung ist, habe ich Schwierigkeiten mit der Tarierung und dabei die Gruppe verloren. Ich bin von ca. 12 Metern Tiefe langsam und nach Vorschrift zur Überfläche getaucht, wo sich die Gruppe dann bald wieder sammelte. Allein unter Wasser zu sein, ohne Orientierung und eine Ahnung wo die anderen sind, ist ein sehr ungewöhnliches Gefühl. Nicht wirklich Angst, da ich Vertrauen in die Ausrüstung habe, aber doch sehr speziell. Wer weiß, was es hier für Fische gibt. Beim Aufstieg sah ich dann doch noch einen kleinen Mantarochen.
Nach den beiden Tauchgängen im Meer fahren wir zur Tauschule und absolvieren die schriftliche Prüfung. Ein Multiple-Choice-Test, den wir beide bestehen. Wir sind sehr froh und vereinbaren gleich den ersten Tauchgang mit Tauchschein für den nächsten Tag. Wir genießen den Abend und freuen uns auf zukünftige Tauchgänge. Neben dem Entdecken der Unterwasserwelt, den Tieren und der Landschaft, fasziniert uns das Schweben in der Schwerelosigkeit, was bei exakter Tarierung möglich ist. Man schwebt im Wasser und kann sich, zumindest für eine gewisse Zeit, wie ein Fisch fortbewegen und fühlen. Ein tolles Gefühl.

Tauchen in der Cenote

Tauchen in der Cenote

Am nächsten Tag machen zusammen mit einem anderen Pärchen und dem Divemaster 2 Tauchgänge in der Cenote Dos Ojos. Wir tauchen zwischen mehreren Cenoten an Seilen entlang. Eigentlich ist das nach meiner Vorstellung schon Höhlentauchen, wofür man eigentlich eine extra Zertifizierung braucht. Über uns ist kein Tageslicht mehr. Der Divemaster taucht voran und gibt mit der Lampe Zeichen. Wir bestätigen ebenfalls mit einer Lampen. Wir tauchen in einer Höhle auf und über uns hängen tausende Fledermäuse an der Decke. Beim zweiten Tauchgang stoße ich mich mit den Händen etwas übermütig von einem Stein ab und merke, dass ich dabei den Ehering verloren habe. Ich bekomme einen Schreck und stoppe. Gemeinsam suchen wir um den Stein herum nach dem Ring. Glücklicherweise findet ihn einer aus der Gruppe. Der Grund war schon etwas aufgewühlt, die Chancen standen eigentlich schlecht. Ich bin sehr erleichtert. Zukünftig machen wir beim Tauchen die Ringe ab!
Folgende Bilder sind von einem Unterwasserfotograf in der Cenote Dos Ojos:


Nun ist es Zeit für uns Tulum zu verlassen. Aber vorher wollen wir uns noch die berühmte Mayaruine in Tulum ansehen. Sie liegt nicht weit entfernt von unserem Zeltplatz direkt am Meer. Wir nehmen einen Führer, der uns sehr kurzweilig in die interessante Geschichte und Struktur der Stadt einführt. Als wir uns über die Gegend, die Natur und die Tiere der Region unterhalten, zeigt er uns ein Foto von einem Jaguar. Er hat dieses Foto eines Morgens in der Nähe der Cenote gemacht, in der wir in den vergangenen Tagen den Tauchkurs gemacht haben.

Dann fahren wir weiter in den Süden Yucatans in Richtung Belize. Trotzdem das Tauchen ein ziemlich teures Vergnügen ist, wollen wir in Xcalak nochmal zwei Tauchgänge machen. Leider ist es stürmisch, so dass die Sicht schlecht ist. Wir sehen kaum Tiere. Beim zweiten Tauchgang gehen wir bis auf 18 Meter runter an der Außenseite des Riffs. Es geht durch schmale Canyon runter und später wieder hoch. Das Wasser ist aufgewühlt und trüb, auch hier sehen wir kaum Tiere.
Wir fahren weiter nach Chetumal, der Grenzstadt zu Belize. Nun heißt es Abschied nehmen.
Wir waren 2 Monate in Mexico. Viel zu wenig für dieses riesige und vielfältige Land. Wir haben sehr nette Menschen getroffen und Herzlichkeit erfahren.
Nach dem leichten und angenehmen Reisen in den USA, ist es hier anspruchsvoller. Die Sprache, die Kultur, vieles ist neu. Wir haben etwas mehr als einen Eindruck. Hoffentlich können wir in der Zukunft noch einmal wieder kommen.
Wir sind durch sehr verschiedene Landschaften gekommen. Die Lebensumstände der Menschen sind sehr unterschiedlich. In manchen Regionen gibt es Industrie, moderne Städte und eine intensive Landwirtschaft. In anderen Regionen ist die Armut offensichtlich. Es gibt etwas Gewerbe und Landwirtschaft für den eigenen Bedarf und den lokalen Markt.
Eigentlich erscheint uns Mexico als ein durchaus reiches Land. Jedoch ist dieser Reichtum sehr ungerecht verteilt. Neben der Korruption wirkt hier immer noch das alte Kolonialsystem, in dem wenige Familien einen unermesslichen Reichtum besitzen und mehren und die Masse der Menschen kaum eine Chance auf einen Aufstieg haben.

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